Der Ausverkauf des KSC

Darf's noch einer mehr sein?

Nach der sensationellen Hinrunde in der Fußball-Bundesliga schauen die Verantwortlichen des Karlsruher SC nun auf die Kehrseite der Medaille. Dem besten Aufsteiger seit zehn Jahren droht nach Saisonende der personelle Ausverkauf. Imago Fakt ist, dass die Verträge von Mittelfeldspieler Massimilian Porcello, Linksverteidiger Christian Eichner und Rechtsverteidiger Andreas Görlitz auslaufen. Zudem sind die Kontrakte von Kapitän Mario Eggimann, Innenverteidger Maik Franz, Torwart Markus Miller und Mittelfeldspieler Michael Mutzel mit Ausstiegklauseln versehen. Die vier Profis könnten die Badener für Ablösesummen unter einer Million Euro verlassen.

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Zwar ist Manager Rolf Dohmen seit einigen Wochen eifrig dabei, seinen Profis als Lohn für die Hinrunde verbesserte Angebote zu unterbreiten, doch gegen die Begehrlichkeiten der großen Klubs kann sich der finanziell nicht auf Rosen gebettete KSC kaum wehren. Das zeigt schon allein das Beispiel Hajnal, der bei seinem zukünftigen Arbeitgeber Borussia Dortmund nach konservativen Schätzungen mehr als dreimal soviel verdienen wird als beim Bundesligisten mit dem kleinsten Etat (13,5 Millionen Euro).

Der in der ersten Saisonhälfte überragende Hajnal könnte mit seinem Weggang eine Kettenreaktion ausgelöst haben. Dies lässt sich jedenfalls aus den Äußerungen seiner umworbenen Teamkollegen heraushören.

„Ich kann sagen, dass ich meine beste Zeit als Profi bisher beim KSC habe. Aber ich bin im besten Fußballalter, und da spielt das Finanzielle auch eine Rolle“, erklärte der 26 Jahre alte Franz, und machte keinen Hehl aus seiner Unzufriedenheit über die bisherigen Verhandlungen: „Bislang ist der Unterschied zu dem, was der Verein bietet und dem, was ich mir vorstelle, einfach zu groß.“

Da Franz wie sein Verteidiger-Kollege Eggimann („Dazu will und kann ich derzeit nichts sagen“) mit Dortmund in Verbindung gebracht wird, scheint vor allem der BVB den Aufsteiger mehr oder weniger als Selbstbedienungsladen zu sehen. Schließlich wechselte Zweitliga-Torschützenkönig Giovanni Federico erst im Sommer vom KSC zur Borussia, deren Verantwortliche bei der 1:3-Hinrundenpleite in Karlsruhe offensichtlich viele interessante Spieler beobachten konnten.

Die nicht enden wollenden Spekulationen über seine Profis haben mittlerweile dazu geführt, dass der sonst so gelassene Trainer Edmund Becker langsam die Geduld verliert. „Bis Ende März müssen wir wissen, wer den Klub verlassen will“, sagte der Coach, der sich zusammen mit Dohmen bereits nach Alternativen umsieht. Dabei werden Namen wie Federico, Ioannis Masmanidis (Arminia Bielefeld), Alexander Farnerud, Andreas Beck (beide VfB Stuttgart), Dennis Aogo (SC Freiburg) und Simon Jentzsch (VfL Wolfsburg) gehandelt.

Bei all den Gerüchten um die Spieler ist es für die Anhänger der Karlsruher immerhin beruhigend, dass Becker die Spekulationen um seinen angeblichen Abschied ins Reich der Fabeln verweist: „Ich fühle mich beim KSC rundum wohl. Ich bin gerne beim KSC, und ich bin hier sehr gerne Trainer, zumal ich in diesem Bereich noch einiges vorhabe.“

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