Der allererste Supercup

Und wir holen Peters Pott!

Was kein Geringerer als Rainer Bonhof da stolz in die hanseatische Dämmerung reckt, das ist der Supercup. Der echte. Also keine der Billigkopien, die DFB oder DFL seit 32 Jahren den Leuten unterjubeln.

Witters

Wenn heute Abend zum 20. Mal um den offiziellen deutschen Supercup gespielt wird, dann werden mehr als 80.000 Menschen das größte Stadion in Deutschland füllen und Fans in 200 Ländern die Partie live im Fernsehen verfolgen.

Was mag ein 87-jähriger Hamburger Diplomkaufmann wohl denken, wenn die Partie angepfiffen wird? Vielleicht erinnert er sich an einen kalten Januartag des Jahres 1977, an dem sehr vieles, was schiefgehen konnte, mal so richtig schiefging, der aber trotzdem Geschichte schrieb. Und zwar als der Tag, an dem Dr. Peter Krohn den deutschen Supercup erfand.

Mike Krüger als Linienrichter

Neuerungen waren die Spezialität des Mannes. Der HSV jener Tage trug den Beinamen »Zirkus Krohn« nicht nur deshalb, weil sein Manager das Team nach einem Pokalspiel mal mit einem Elefanten am Bahnhof empfangen wollte. (Das Spekatakel wurde vom Ordnungsamt untersagt, hält sich aber bis heute hartnäckig als Legende.) Krohn ließ die Profis in rosa Hemden auflaufen, um die Hamburger Damenwelt zu bezirzen, er führte Showtrainings ein, bei denen Schornsteinfeger über den Rasen radelten, Udo Lindenberg ins Mikro schmetterte, Mike Krüger als Linienrichter eingesetzt wurde oder eine Blaskapelle das Publikum unterhielt.  

Viele Leute schüttelten den Kopf über Krohn, aber erstens brachte er seinen bis dahin etwas spröden Verein ins Gespräch. Zweitens hatte er Erfolg: Im Juni 1976 holte der HSV den DFB-Pokal im Finale gegen den 1. FC Kaiserslautern. Und drittens wusste Krohn, wie man sogar Niederlagen noch zu Gewinn macht. Denn als der HSV in der nächsten Pokalsaison schon in der zweiten Runde die Segel streichen musste, kam ihm eine Idee.