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Der Adler zieht seine Kreise

Ein kleiner Spaß am Rande

Pontus Jansson imitiert während einer Trainingseinheit den Doppeladler-Jubel, die schweizer Presse beschwört daraufhin den »Psycho-Krieg« herauf. Ein Beispiel das zeigt, warum es im Fußball immer weniger Typen gibt. 

imago

Es ist das letzte Training der Schweden vor dem Achtelfinal-Spiel gegen die Schweiz. Als der Trainer seinen Spielern eine kurze Pause gibt, passiert es: Innenverteidiger Pontus Jansson setzt sich auf die Bank, lehnt sich zurück, verschränkt die Daumen und breitet seine Hände wie Flügel aus. Der Doppelkopf-Adler-Jubel von Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka aus dem Vorrundenspiel gegen Serbien. Zeitungen in der Schweiz überschlagen sich: Provokation, Respektlosigkeit, Psychokrieg. Schaffen es die Spieler, trotzdem cool zu bleiben? Eine Nachfrage auf Xhakas Pressekonferenz vor dem Spiel bleibt unbeantwortet.

Die Geste der beiden Spieler war nach dem Spiel gegen Serbien tagelang ein riesiges Thema in der Presse. Nicht nur in der Schweiz, auch in Deutschland häuften sich die Artikel über das »Adlergate«, in denen die beiden Spieler mit kosovarischen Wurzeln kritisiert, in manchen Fällen auch verteidigt wurden. Die Fifa untersuchte den Jubel und verurteilte beide Spieler zu einer Geldstrafe. War die Debatte nach dem Serbien-Spiel aufgrund der politischen Brisanz hinter dem Thema noch teilweise nachzuvollziehen, so ist die Aufregung, die einige Zeitungen vorgeben, gespielt. Die Geste von Jansson dient nur dazu, jeden Aspekt im Vorfeld des Spieles zu skandalisieren, noch mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen, die Stimmung weiter hochzuschaukeln. Niemand muss sich darüber wundern, dass die „echten Typen“ aus dem Fußball verschwinden, wenn jedes Abweichen von Norm einen Aufschrei hervorruft.

Ein Lachen und fertig ist der Skandal

Es ist verständlich, dass sich die meisten Spieler mittlerweile auf den Pressekonferenzen vor den Spielen einer einfachen Formel bedienen: Auf die Fähigkeiten des Gegners verweisen, das Vertrauen in die eigene Stärke betonen und die gute Vorbereitung des Trainers loben. Jede kleinste Aussage abseits dieses heiligen Rationalismus wird skandalisiert, tausendfach wiederholt und debattiert. Ein unbeschwerter Moment, eine Geste, ein Lachen und fertig ist der Skandal.

Jansson wollte mit Sicherheit keinen „Psycho-Krieg“ beginnen, als er den Doppeladler-Jubel nachahmte. Er hatte im Training Spaß mit seinen Mannschaftskollegen, wollte einen Scherz machen. Dinge, die den Fans zeigen, dass es bei den Profis oft auch so zugeht, wie in der Kreisliga-Truppe. Der Psycho-Krieg entsteht einzig durch die Berichterstattung.