Der Abstiegs-Check (2)

Überraschung!

Teil 2 unserer Abstiegskampf-Analyse beschäftigt sich mit Werder Bremen sowie zwei Klubs, die man im Keller eher nicht erwartet hat: dem VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach.

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So hatten sich die Verantwortlichen in Wolfsburg und Mönchengladbach Weihnachten sicher nicht vorgestellt. Eigentlich lautete das Ziel beider Klubs, den Abstand auf die internationalen Ränge möglichst gering zu halten. Stattdessen gehen der VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach mit gerade einmal drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang in die Winterpause. 

Auch Werder Bremens Hinrunde verlief mit sechzehn Zählern alles andere als optimal. Wer muss sich damit anfreunden, auch nach der Winterpause eher nach unten als nach oben schielen zu müssen? Was für und was gegen die Vereine im Abstiegskampf spricht.

Was für Werder Bremen spricht

Der Aufwärtstrend. Unter Trainer Alexander Nouri zeigte die Formkurve zuletzt steil nach oben. Seit fünf Spielen sind die Bremer ungeschlagen, haben neun Punkten aus diesen Partien geholt. Dies liegt in erster Linie an der verbesserten Defensive. Bremen verschiebt besser im Raum, kann je nach Situation mit einer Fünfer- oder einer Viererkette verteidigen. In der Anfangsphase der Saison zeigte sich Bremen weniger flexibel und vor allem: weniger kompakt.

Offensiv kann Nouri nach den Verletzungssorgen zu Saisonbeginn wieder auf seine stärkste Mannschaft zurückgreifen. Im Mittelfeld stabilisiert Philipp Bargfrede die Mannschaft. Vorne richtet es die individuelle Klasse: Mit Altstar Claudio Pizarro, dem spielstarken und umtriebigen Max Kruse sowie Talent Serge Gnabry ist Bremen offensiv bestens aufgestellt.

Gerade Gnabry hob die Bremer Offensive in der Hinrunde auf ein neues Niveau. Die konterstarken Bremer forcieren Gnabrys Tempo. Dieser bringt viel Zug zum Tor mit, überzeugt außerdem mit einer Schusstechnik wie aus dem Lehrbuch. Gnabry war an neun der 20 Bremer Treffer direkt beteiligt, acht erzielte er selbst.

Was gegen Werder Bremen spricht

So verbessert sich Bremen zuletzt gegen den Ball zeigte: Defensive Schwachpunkte gibt es noch zuhauf. So wird Bremen schnell unkompakt, wenn sie in ein hohes Pressing übergehen. Dieses ist aber nötig, damit sie sich mit ihrer konterorientierten Spielweise nicht zu weit hinten reindrängen lassen. Hoffenheim trieb die Werderaner beim 1:1 lange Zeit vor sich hier, ließ sie praktisch nicht an den Ball kommen.

Die zweite große Baustelle: der Spielaufbau. Bremen braucht freie Räume, muss mit Tempo auf die Abwehr zulaufen. Wenn der Gegner den Bremern jedoch das Spiel überlasst, beispielsweise nach einer Führung, tun sie sich enorm schwer. Es fehlt an Spielmachern aus der Tiefe und vor allem an Verbindungsspielern im Mittelfeld. Die Räume im offensiven Mittelfeld besetzt höchstens Kruse – zu viel Last für den gelernten Stürmer. 

Und dann hat es auch das Auftaktprogramm nach der Winterpause in sich: Bremen empfängt zunächst Dortmund und dann die Bayern. Sollte dann auch noch das Auswärtsspiel in Augsburg verlorengehen, könnte die positive Energie schnell aufgebraucht sind, die Bremen aus der erfolgreichen Vorweihnachtszeit mitnimmt.