Der 11FREUNDE-Zweitliga-Check: VfB Stuttgart

Ohne Dietrich, aber mit Tim Walter

Boss-Level
= 0. Denn einen Boss gibt es beim VfB Stuttgart gerade nicht - zumindest offiziell. Nach desaströsen drei Jahren, einer desaströsen Außendarstellung und einer desaströsen Mitgliederversammlung ist Wolfgang Dietrich nach seinem Rücktritt nicht länger Präsident des Vereins. Viele beim VfB wird das freuen. Bei der Versammlung, die aufgrund eines nicht-funktionierenden WLAN abgebrochen werden musste, hatte unter anderem Ex-Spieler und -Jugendkoordinator Rainer Adrion mit Dietrich abgerechnet, strukturelle Probleme und eine fehlende Sportkompetenz angemahnt. Dietrich hielt wenig überzeugend dagegen: »Es gibt den Spruch: Wenn die Mannschaft gewinnt, war es der Trainer. Wenn die Mannschaft verliert, war es der Präsident.«

Innerhalb des Vereins wird der Sehnsucht nach einem Versöhner größer. Jürgen Klinsmann stand zuletzt auf der Kandidatenliste. Solange keine Entscheidung gefallen ist - die notwendige Mitgliederversammlung ist im September geplant - steht aber auch fest: Sollte die Mannschaft wieder verlieren, kann’s der Präsident nicht mehr gewesen sein.

Umfeld
Rundherum herrscht ein Mix aus Vorfreude und Nervosität. Noch immer beschäftigen sich viele Anhänger mit dem Abgang von Wolfgang Dietrich und der Frage, was der Ex-Präsident über seine Einkünfte und Absprachen im Zuge der Quattrex-Affäre hätte sagen dürfen und müssen. Es wirkt aber, als sei durch seinen Abgang zumindest eine Art Neustart-Gefühl entfacht worden.

Grund dafür ist der neue Trainer. Tim Walter überraschte in der abgelaufenen Saison mit Holstein Kiel und riskantem Aufbauspiel. Umso wichtiger könnte für ihn eine neue Fußballregel werden. Ab jetzt müssen Abstöße nicht mehr aus dem Sechzehner gespielt werden, sodass Walter seinen Torhüter in den Testspielen anwies, im Kurzpassspiel mit den Innenverteidigern die anlaufenden Gegner zu umspielen. Manöver, die so manchen Stuttgart-Fan schon im Trainingslager nah an den Herzkasper brachten. So gesehen: Der Trainer tut zumindest alles, damit das Umfeld sich gar nicht erst beruhigt.

Trikot
Der neue Ausrüster Jako hat sich beim Heimtrikot strikt an die Vorgaben und damit an den durchlaufenden roten Brustring entschieden. Ein Klassiker, der noch immer schön anzusehen ist. Aber der Hersteller entschied sich in dieser Saison nicht nur für ein, nein, sondern für zwei Heimtrikots! Den das zweite, rote Leibchen mit weißen Diamantstrukturen soll an die Dachkonstruktion der Mercedes-Benz Arena erinnern - und so auch auswärts »Heimatgefühle« erzeugen. Ein Design wie von Homöopathie-Anhängern erdacht.

11FREUNDE-Prognose
Die Anhänger kämpfen gegen das Böse an, der Verein neigt zu Ruhmsucht und lehnt jeden gutgemeinten Ratschlag ab. Keine Frage: Der VfB Stuttgart ist der Darkwing Duck der 2. Liga. Das Motto für die kommende Spielzeit kann deshalb, und auch wegen des von Walter vorgegebenen Spielstils nur lauten: Zwo, Eins, Risiko! Wenn das gleich zu Beginn aufgeht, die Euphorie des letzten Stuttgarter Zweitliga-Jahres gleich wieder zurückkehrt, dann wird der VfB die Liga dominieren. Andernfalls: Absturz.