Deniz Nakis Kampf für Gerechtigkeit

Widerstand in Liga 3

Heute beginnt in der Türkei der Prozess gegen den früheren deutschen Junioren-Nationalspieler Deniz Naki. Ihm wird Propaganda für eine terroristische Vereinigung vorgeworfen. Die wahren Gründe sind allerdings noch trauriger.

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Um die verkehrte Welt des türkischen Fußballalltags zu verstehen, genügt ein einfacher Blick auf das Pokalspiel Bursaspor gegen Amed Sportif Faaliyetler Kulübü (kurz: Amedspor) im Februar dieses Jahres. Es läuft die 84. Spielminute. Der Underdog aus dem kurdischen Diyarbakır liegt unerwartet mit 2:0 gegen den ehemaligen Meister Bursaspor in Führung und ist damit sensationell auf Viertelfinalkurs.

Gehörigen Anteil daran hat Deniz Naki, hierzulande vor allem für seine Zeit beim FC St. Pauli bekannt. Nach einem unterbundenen Angriff Bursas gelangt der Ball an der Mittellinie zu Naki, der ihn nach vorne treibt. Plötzlich eilt Bursaspor-Verteidiger Erdem Özgenç in vollem Tempo heran und tritt den Angreifer mit beiden Beinen voraus einfach um.

Ideologische Propaganda?

Danach entfernt er sich stolzen Schrittes vom Tatort, ohne den sich am Boden windenden Naki eines Blickes zu würdigen. Einer der beiden Spieler wird nach der Partie für zwölf Pflichtspiele gesperrt werden, der andere kommt mit gelb davon.

»Separatistische und ideologische Propaganda«, so lauteten zwei der Vorwürfe des türkischen Fußballverbands TFF gegen Naki. Der Stürmer hatte nach dem Spiel bei Facebook Stellung bezogen und den Sieg seiner Mannschaft den Menschen gewidmet, die »in den 50 Tagen der Unterdrückung getötet oder verletzt wurden.«

Im Februar war der wiederaufgeflammte Bürgerkrieg zwischen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und dem türkischen Militär auf dem Zenit: In vielen Städten des türkischen Südostens herrschten Ausgangssperren, zehntausende Menschen verloren ihre Häuser und Lebensgrundlagen, hunderte Zivilisten wurden getötet.

Der Erfolg seiner Mannschaft war Provokation genug

Die offizielle Berichterstattung über den Konflikt beschränkte sich meist auf Gedenkfeiern für gefallene »Märtyrer«-Soldaten und der Gegenüberstellung von hohen Zahlen eliminierter PKK-Kämpfer. Deniz Naki wollte mit seiner Stellungsnahme den Fokus auf diejenigen lenken, die unter der Situation am meisten zu leiden hatten: die Menschen vor Ort. 

Vom TFF wurde er dafür mit der höchsten Disziplinarstrafe der Verbandsgeschichte belegt. Wobei Nakis genaue Äußerungen beim Strafmaß tatsächlich nur eine geringere Rolle gespielt haben dürften: der Erfolg seiner Mannschaft war für den Verband schon Provokation genug.