Deco beendet seine Karriere

Als Deco beinahe beim FC Bayern landete

Als Mourinho zum FC Chelsea wechselte, wollte der Trainer Deco mitnehmen, den Spieler, der sechs Treffer in der Champions League vorbereitet hatte, der vorne wegging, ohne herumzuposaunen, ohne dieses unangenehme Asoziale, das Spieler als legitim erachten, solange sie sich »Aggressive Leader« nennen. »Wenn es düster um dich wird«, sagte Mourinho einmal, »erscheinen die, die das Risiko tragen: Deco ist das lebende Abbild von Courage.« Der Journalist Ronald Reng nannte Deco einmal »einen Spielmacher mit der Wachsamkeit eines Defensivmanns und einen Zerstörer mit der Kreativität eines Regisseurs«.

»Deco spielt Fußball!«

Er konnte flache 30-Meter-Pässe mit dem Außenrist in den Fuß seines Stürmers spielen. Er konnte den Ball am Mittelkreis abschirmen, wenn sie ihn mit drei oder vier Männern von allen Seiten bearbeiteten. Und er konnte schießen. Aus dem Fußgelenk. Johan Cruyff sagte mal: »Deco spielt Fußball.« Vielleicht ist es das größte Kompliment, was man einem Fußballspieler machen kann.
 
Diesen Mann wollte Mourinho also, und der Trainer bekam normalerweise das, was er wollte. Doch Deco sagte ab. Er wollte sich emanzipieren von dem Mann, der sich sein Schöpfer nannte. »Ich bin durch meine Arbeit, der Spieler geworden, der ich bin, nicht durch ihn«, sagte Deco.
 
Es gab ein Angebot vom FC Bayern, und eigentlich war die Sache so gut wie klar, bis, ja bis der FC Barcelona auch ein Angebot nach Porto schickte. »Ich konnte nicht ablehnen«, erklärte sich Deco, als er Franz Beckenbauer mal auf einer Gala schüchtern gegenübertrat. Der Bayern-Präsident lachte, er verstand das.

Der beste Nebendarsteller: Deco
 
In Barcelona gewann Deco erneut die Champions League und zweimal die spanische Meisterschaft. Es sei die größte Zeit seiner Karriere gewesen, auch weil er mit dem besten Spieler jener Jahre, Ronaldinho, zusammenspielen durfte. »Ich kann ihm stundenlang zugucken«, sagte Deco ein bisschen devot. Und irgendwann konnte man den Eindruck gewinnen, Deco sei der vermutlich beste Nebendarsteller im Profigeschäft. Einer wie Steve Buscemi in Hollywood, ein in sich gekehrter, leicht verschrobener Typ, dem man in vielen Filmen lieber zusieht als dem Hauptdarsteller. Das große Bohei wurde jedenfalls immer um die anderen gemacht: In der Nationalelf zunächst um Luis Figo, dann um Cristiano Ronaldo. Bei Barca um Ronaldinho oder Samuel Eto’o. Deco? Ja, gut, vielleicht sehr gut, aber... ach, da hinten, haben Sie das gesehen, den Übersteiger von Ronaldino?
 
Dabei sahen die Fans ihm, den kleinen Lenker im Mittelfeld, oft am liebsten zu. Im Champions-League-Finale gegen den FC Arsenal zum Beispiel, als der FC Barcelona nach 0:1-Rückstand noch 2:1 gegen den FC Arsenal gewann. Aber auch bei vermeintlich unwichtigen Begegnungen. Zum Beispiel in einem Spiel gegen den FC Villareal, einem gewöhnlichen Ligakick im Herbst 2006. Deco zauberte damals wie selten zuvor. Barcelona gewann 4:0 und der Portugal-Brasilianer spielte Pässe, die man sich hätte einrahmen können. Er war der Dirigent in einem dieser Käfig-Bolzplätze, der die Größe eines Fußballfeldes angenommen hatte.
 


2008, im Herbst seiner Karriere, wechselte Deco endlich zum FC Chelsea, wo Mourinho seit einem Jahr nicht mehr Trainer war. Hier gewann er zweimal den Pokal und einmal die Meisterschaft. Die letzten zwei Jahre spielte Deco in Brasilien für Fluminense. Es wurde ruhiger um ihn, als es eh schon war. Anfang 2013 fand man in seinem Urin Furosemid, eine verbotene Substanz, die Dopingmittel verschleiern kann. Deco wurde für 30 Tage gesperrt.
 
Am Montag verkündete Deco, dass er seine Karriere beenden wird. Heute, an seinem 36. Geburtstag, ist der große Knall ausgeblieben. Deco verlässt den Fußball. Ein bisschen leise. So wie er es am liebsten mag. Vielleicht werden sich bald etliche Weggefährten äußern, Ronaldinho, Samuel Eto’o, Xavi und vielleicht sogar Luis Figo. Nur José Mourinho hat bereits alles gesagt, was zu sagen wäre: »Wenn ich Fußballfan wäre, dann würde ich mich vor Deco verbeugen.«
 
Es ist ein Glück, dass wir Fußballfans sind.