Dauerbrenner seit 18 Jahren

Der Karneval zieht um

Harald Strutz, Präsident bei Mainz 05, hat große Pläne, die er ungestört und mit vollster Unterstützung umsetzen wird. Nur eine Frage der Zeit und des Standorts, bis das neue Stadion kommt. Imago Der FSV Mainz 05 bekennt sich zur regionalen Tradition und betitelt sich folgerichtig selbst als Karnevalsverein, der aber auch andere Feste feiert wie sie fallen. Davon konnten sich alle überzeugen, als die Mainzer vor mehr als zwei Jahren endlich den Weg ins Oberhaus gefunden haben. 30.000 Fans versammelten sich auf dem Gutenbergplatz, bejubelten ihre Helden auf den Balkonen des Staatstheaters und skandierten aus vollen Kehlen: „Nie mehr zweite Liga!“ Zu diesem Zeitpunkt waren die zuvor in letzter Sekunde geplatzten Aufstiegspartys und die Tränen – ganz bitter 2002 – schon längst vergessen.

Entscheidenden Anteil am Erfolg des Mainzer Modells hat der Präsident der 05er Harald Strutz, ein wahrer Lebemann und Aktivist in Sachen Feierkultur. „Andere spielen in meinem Alter mit der Eisenbahn, ich bin halt Rocksänger und habe mir damit einen Jugendtraum erfüllt“, sagte Strutz, der Leadsänger der Band mit dem programmatischen Namen Just Fun. Soweit der erste, eher persönliche Traum. Den ganz großen Coup will der Klubchef jedoch erst landen – mit dem Bau eines neuen Stadions, das der gesamten Jubelmasse aus dem Aufstiegsjahr Platz bieten könnte. „Man muss sehen, welch großes Einzugsgebiet wir haben. Wir hätten diese Saison über 25.000 Dauerkarten verkaufen können“, erklärt Strutz den Sinn des Neubaus: „Für uns ist klar, dass dieses geplante Stadion genau die richtige Größe neben Frankfurt und Kaiserslautern hätte.“ Zu klären bleibt nach wie vor die Standortfrage: „Ob wir beim Stadionneubau den bisherigen Standort Bruchweg aufgeben, in Mainz ein neues Stadion bauen oder auf der hessischen Seite.“

Notfalls als Alt-Rocker durchstarten

Wo auch immer – offensichtlich steht Strutz mit seiner Vision nicht alleine da. Anfang der Woche bestätigten 480 von 511 anwesenden und wahlberechtigten der insgesamt 8.300 Vereinsmitglieder den Vorstand rund um den Präsidenten. Das Vertrauen ist seit 18 Jahren ungebrochen. Seit 1988 liegt die Klubführung in den Händen des 55-Jährigen, der den Job bis zuletzt noch ehrenamtlich ausgeübt hat. „Nach einer Änderung der Satzung im Vorjahr erhalten wir im Vorstand eine Aufwandsentschädigung. Das ist völlig ausreichend, zumal ich ja meinen Beruf als Rechtsanwalt weiter gerne ausüben will“, sagte der verheiratete zweifache Familienvater, der zudem als Vizepräsident des Ligaverbandes und FDP-Stadtratsmitglied in Mainz tätig ist.

Ein umtriebiger Mann also, der gerne über den Tellerrand des Fußballs blickt: „Das Wichtigste für mich ist, dass wir in unsere Stadt eine Faszination und Leidenschaft gebracht haben, mit der sich auch die Jugend identifizieren kann.“ Die gesellschaftliche Verantwortung des FSV ist dem Präsidenten eine Herzensangelegenheit. Die karitative Projekte und Spenden wie für die Jugend- und Drogenberatungsstelle Brücke sind wichtige Eckpfeiler seiner Anschauung. Als „wichtigste Entscheidung“ seiner Amtszeit bezeichnet Strutz ganz selbstlos die Verpflichtung von Jürgen Klopp. Wie lange möchte er noch den Präsidenten des FSV geben? „So lange wie mich die Mitglieder wählen.“ Und wenn er es sich doch mal anders überlegen sollte, dann er ja schließlich noch als Alt-Rocker durchstarten.
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