Das unglaubliche Leben von Faustino Asprilla

Sex & Wine

Er galt als bester Stürmer der Welt. Liebte Schusswaffen und leichte Mädchen. Und erst jüngst drohte ihm ein Drogenkartell mit dem Tod. Das verrückte Leben des Faustino Asprilla.

Imago

Es gibt Fußballer, die machen 300 Spiele in der ersten Liga, beenden dann die Laufbahn und eröffnen ein Versicherungsbüro. Einmal fielen sie negativ auf, weil sie bei der Weihnachtsfeier ein Bier zu viel getrunken hatten und anschließend mit Krawatte um den Kopf gebunden ein schmutziges Lied sangen. Fünf Jahre nach ihrem Karriereende kennt sie kein Mensch mehr.

Und es gibt Faustino Asprilla.

Anfang des Jahres war der Kolumbianer wieder in den Schlagzeilen. Nicht, weil sein Versicherungsbüro pleite gegangen ist, sondern weil Häscher eines Drogenkartells ihm und seiner Familie mit dem Tod drohten. Asprilla floh aus seiner Heimatstadt, inzwischen sind die Drahtzieher geschnappt. Es war eben schon immer alles etwas wilder, aufregender und verrückter in der Karriere von Faustino Asprilla.

Das ging schon damals los, als er in der Saison 1992/93 erstmals die große Bühne des Fußballs betrat. Parma-Trainer Nevio Scala hatte den pfeilschnellen Angreifer für stolze 6,5 Millionen Mark von Atletico Nacional losgeeist, am Verkauf soll auch Drogenkönig Pablo Escobar beteiligt gewesen sein. Und als die ersten Kritiker murrten, dass der Neuzugang zwar ab und an ein Tor schießen würde, aber alles in allem keine echte Verstärkung sei, schoss Asprilla am 24. Spieltag das entscheidende Tor gegen den AC Mailand. Nicht irgendein Tor, nicht gegen irgendeinen Gegner. Sondern einen herrlich in den Winkel gezirkelten Freistoß in der 90. Minute gegen die seit 58 Spielen in Folge ungeschlagenen Mailänder um Frank Rijkaard, Ruud Gullit und Marco van Basten.



In derselben Saison erreichte Parma das Finale im Europapokal der Pokalsieger. Auch dank der vier im Wettbewerb erzielten Tore des Neuzugangs aus Kolumbien. Doch im Endspiel von Wembley gegen Royal Antwerp FC fehlte Asprilla aufgrund einer Verletzung. Die hatte er sich wie zugezogen? Richtig, bei einem Streit mit einem Busfahrer in seiner Heimat. Der hatte zunächst Asprillas Auto gerammt und wollte sich unverschämterweise nicht dem anschließend geforderten Faustkampf stellen, sondern schloss panisch die Tür, als der Fußballer gerade den Bus entern wollte. Der reagierte relativ ungehalten, trat die Glastür ein und zog sich beim anschließend Versuch, sein teures Bein zu befreien, empfindliche Schnittwunden zu.

»Asprilla ist die absolute Nummer eins der Welt!«

Als die Wunden verheilt waren, nahm sich Asprilla Argentinien vor. Im Qualifikationsspiel für die WM 1994 gewann Kolumbien gegen die seit 33 Spielen ungeschlagenen Südamerikaner um Diego Maradona mit 5:0. Asprilla schoss zwei Tore und bereitete zwei weitere vor. Maradona heulte, Asprilla war auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft wurde Kolumbien als einer der Topfavoriten gehandelt und der begnadete Stürmer als neuer Superstar des Weltfußballs. Kurz vor dem Turnierstart überschlugen sich namhafte Experten mit ihren Lobeshymnen. »Dieser Mann wird einer der absoluten Höhepunkte bei der WM in den USA«, jauchzte Cesar Luis Menotti. Michel Platini jubilierte: »Für mich ist Asprilla die absolute Nummer eins der Welt!« Und die »Sport Zürich« textete vor lauter Erstaunen benebelt: »Asprilla hat den Antritt eines Ben Johnson, die Kraft eines Pampastiers, die technische Brillanz eines Ruud Gullit und die Eleganz einer Ballerina.«