Das sind die abgefahrensten Wettbewerbssysteme des Fußballs

Von wegen Relegation

Wir beschweren uns über die Relegation, aber es könnte schlimmer sein. In Holland gilt das Periodensystem, in Griechenland wird durch fünf geteilt. Hier kommen die absurdesten Wettbewerbs-Formen des Fußballs.

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Mitte November stellte der FC Pau, ein Drittligist aus Südwestfrankreich, einen neuen Weltrekord in Beklopptheit auf. Im nationalen Pokal ließen sich die Feierabendprofis ein Auswärtsspiel beim AS Magenta aus Nouméa zulosen. Falls die Geografiekenntnisse gerade schwächeln: Nouméa ist die Hauptstadt von Neukaledonien. Sie liegt 17 400 Kilometer entfernt von Pau. Selbst bei der günstigsten Verbindung sitzt man mehr als 27 Stunden im Flieger. Das ist ungefähr so, als würde Sonnenhof Großaspach zu einem Pokalspiel nach Sydney jetten.

Manipulierte Auslosung

Aber es gibt keinen Grund, Vereine wie Pau zu bemitleiden. Warum mussten die Franzosen sich auch überall Kolonien unter den Nagel reißen? Die Quittung erhalten sie nun in Form eines Pokalwettbewerbs, der sich endlos hinzieht und im wahrsten Sinne des Wortes auf der ganzen Welt ausgetragen wird, von der Karibik bis zu den Komoren. Obwohl der Verband sich mit bis zu 25 000 Euro an den Reisekosten beteiligt, kann das falsche Los, mal ganz abgesehen von den Strapazen, für einen kleinen Verein den Ruin bedeuten.

Deswegen manipulieren die Franzosen die Auslosung. Vor der siebten Runde, in der die Teams aus den Überseegebieten ins Geschehen eingreifen, werden die noch verbliebenen französischen Klubs gefragt, ob sie im Falle der Fälle bereit wären, nach Martinique oder Guadeloupe zu fliegen. Manche Vereine stimmen dem zu, weil sie abenteuerlustig sind, andere pokern und spekulieren auf ein Heimspiel. Schließlich hat man dann eine Art Freilos, sind die Truppen aus Tahiti oder Französisch-Guayana doch oft nur Kanonenfutter.

Nun könnte man denken, dass vor allem Pokalwettbewerbe solch bizarre Blüten treiben, denn es herrschte und herrscht ja kein Mangel an ausgesucht exzentrischen Cups. In Deutschland wurde zum Beispiel mal der sogenannte Flutlichtpokal ausgespielt, in dem bei Torgleichheit das Eckenverhältnis den Ausschlag gab. Doch auch im normalen Ligabetrieb selbst großer Fußballnationen regiert nicht selten der nackte Wahnwitz.

Einmaleins gegen den Abstieg

Wie etwa in Argentinien. Dort wurde seit 2012 der Modus der obersten Liga, der Primera Division, in jedem Jahr geändert. Mal stieg nur ein Team ab, dann gar keines, dann gleich vier. Wie sie das tun, wenn sie es denn tun, ist fast schon bewundernswert verschroben: Am Ende einer Saison addiert man die Anzahl der Spiele, die eine Mannschaft in den letzten vier Jahren bestritten hat, und teilt sie durch die Summe der erzielten Punkte. Die Teams mit dem schlechtesten Koeffizienten gehen runter.

Dieses System wurde eingeführt, nachdem vor einigen Jahren erst River Plate in die zweite Liga musste, dann Independiente. Obwohl niemand es offen zugibt, soll die neue Regel verhindern, dass solch große Traditionsklubs absteigen, nur weil sie mal ein schlechtes Jahr haben. Das hat bisher auch gut geklappt, dafür geht ohne Taschenrechner im Stadion gar nichts mehr: Im letzten Jahr fehlten Argentinos Juniors (der Klub, aus dem Maradona kam) 0,022 Durchschnittspunkte, um die Klasse zu halten. Und 2014 schafften es Colon und Atletico de Rafaela, nach all dieser Zahlenklauberei bis auf die dritte Nachkommastelle denselben Wert zu haben, weshalb am Ende doch ein Entscheidungsspiel ausgetragen werden musste.

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