Das rührendste Comeback des Jahres

Der ewige Schnitzel-Mozart

Einst galt Tomas Rosicky als legitimer Erbe Pavel Nedveds. Doch dann prägten Verletzungen seine Karriere. Jetzt ist er zurück. Nicht zuletzt wegen eines kleinen Jungen aus einem syrischen Flüchtlingslager.

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Tomas Rosicky hatte keine Wahl: »Ich habe aus einem Flüchtlingslager in Syrien von einem Jungen eine Nachricht bekommen. Er schrieb, dass es eine seiner letzten Hoffnungen sei, mich noch mal spielen zu sehen. Diese Nachricht hat mich inspiriert, nicht aufzugeben. Es war einer der Impulse für mich, meine Fußballschuhe noch nicht an den Nagel zu hängen.« 

Also kämpft er sich zurück. Mal wieder. Seit dem Juni 2015 ist der inzwischen 35-Jährige nicht mehr aufgelaufen für Tschechien. Die ewigen Verletzungen. Dass er trotzdem 101 Länderspiele aufzuweisen hat, zeigt nur, was für ein unfassbares Talent dieser Mann in seinen dürren Beinchen trägt.

Vor über 16 Jahren debütiert er für sein Heimatland, zarte 19 Jahre alt. Wird gegen Irland eingewechselt, kurz vor Schluß. Kommt für Pavel Nedved. Den Fixstern der goldenen Generation, die die Tschechen seinerzeit beisammen haben. Rosicky gilt als sein Kronprinz, als Wunderkind. 

Pässe aus der höheren Geometrie

Das ist Borussia Dortmund im Sommer 2001 satte 25 Millionen Mark wert. Damals der teuerste Transfer der Bundesligageschichte. Er kommt schnell an, trotz der hohen Ablöse. Nicht nur fußballerisch, auch menschlich. Rosicky ist einer dieser Typen, dem die Herzen der Leute einfach so zufliegen. Auch wenn er eigentlich ziemlich wenig redet, wenig von sich preisgibt. Stört nicht. Nur ein bisschen dünn sei er, befinden die Westfalen, und raten ihm: »Hömma, iss mal n paar Schnitzel«. Schon hat er seinen Spitznamen weg, Schnitzel.

Dabei passt ein anderer Spitzname viel besser zu ihm — kleiner Mozart. So nennen sie ihn, nachdem er den BVB schon in seiner zweiten Saison zur Meisterschaft anleitet. Er fliegt über den Rasen, sein ganzes Spiel ein fröhlicher Walzer. Dribblings und Drehungen auf engstem Raum. Pässe aus der höheren Geometrie — der Satz des Rosicky.

Mit dem er die gegnerischen Abwehrreihen spaltet, wie seine Haare. Der Mittelscheitel ist sein optisches Markenzeichen. Auch heute noch. Die Tolle fällt mal kürzer, mal länger in Richtung Schulter. Doch immer sieht er so aus wie das Mitglied einer Boyband, das eigentlich von einer Karriere als Britpopper träumt. Und von England träumt auch der Fußballer Rosicky. In Dortmund wirkt er zunehmend lustlos.