Das Revierderby im Selbstversuch

Viel Tradition, wenig Fußball

Von leidenschaftlichen Fan-Liedern begleitet, ist der Weg ins Stadion ein reines Vergnügen, die riesige Choreografie und der einheitlichen »Zipfelmützen-Look« des Schalker-Fan-Blocks entschädigen dann auch schnell für das lange Warten am Einlass. Mit dem Steigerlied und dem passenden Film auf dem Videowürfel bin ich endgültig gefesselt und bereit für mein erstes Revierderby! Anpfiff!

Während des Spiels unterstützen beide Seiten unermüdlich ihre Farben. Die Dortmund-Fans halten gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Schalker dagegen. Gesänge, Anfeuerungsrufe, Hohn und Spott: Sehr viel mehr Leidenschaft geht nicht mehr. 

Ein Revierderby zu verlieren geht nicht spurlos an einem vorbei

Das gilt auch für das Geschehen auf dem Platz, wo sich bereits nach wenigen Minuten ein von Kampf geprägtes Spiel entwickelt. Es wird gegrätscht, diskutiert und reklamiert, dem Trainer der Handschlag verweigert, die Trinkflasche in die Ecke geworfen. Am Ende gewinnt Dortmund durch die Tore von Thomas Delaney und Jadon Sancho mit 2:1. Abpfiff!

Einige Schalke-Fans bleiben enttäuscht auf ihren Plätzen sitzen, andere sind bereits auf dem Heimweg. Ein Revierderby zu verlieren geht eben nicht spurlos an einem vorbei. Während die Dortmunder ihren Sieg gemeinsam mit ihren Fans in der Auswärtskurve feiern, stehen die Schalker einheitlich in einem Kreis auf dem Spielfeld. In der Auswärtskurve bespritzt Dortmunds Kapitän Marco Reus seine Mitspieler mit einer Wasserflasche. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass zwischen Tränen und Triumph mitunter nur ein paar Meter Rasen liegen. Und dass das Revierderby ein außergewöhnliches Fußballspiel ist.

Wegen der Fans, die es dazu machen. Die ganze Bahnhöfe in Fanmeilen verwandeln, vor dem Stadion bei Wind und Wetter Lieder singen. Die seit Jahrzehnten ihre Rituale pflegen, Jahr für Jahr den selben Schal tragen oder zwei Tage nicht zur Arbeit gehen, wenn der eigene Verein verliert. Wegen Menschen wie Rolf oder Frank, Alex und Christian, die dafür sorgen können, dass man auch als neutraler Zuschauer eine Idee davon bekommt, was das Revierderby eigentlich bedeutet.