Das Relegationsdrama auf der Bielefelder Alm

Angst essen Seele auf

Zweiter Exkurs in Fußballpsychologie: Ein Spiel mit einer solchen Ausgangsposition wird in den ersten 20 Minuten entschieden. Einfach so tun, als ob nichts gewesen wäre, ordentlich draufgehen und dem Gegner zeigen, dass hier nichts zu holen ist; nach einer Weile wird es dann automatisch ruhiger. So allerdings hatte Bielefelds Trainer Norbert Meier sein Team nicht eingestellt oder aber bei seinen Spielern kein Gehör gefunden. Sie igelten sich im Strafraum ein, verloren neun von zehn Kopfballduellen und wenn sie doch mal den Ball erobert hatten, droschen sie ihn einfach nach vorn und weg war er. Angst essen Seele auf.

Auf diese Weise nahmen die Dinge ihren Lauf. Spätestens nach dem 0:2 verdichtete sich im Stadion eine unterschwellige Gewissheit, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen würde. Im gleichen Maße gewannen die Männer des SV Darmstadt 98 an Zuversicht.

Mut, Ruhe am Ball und, ja, sogar Spielkultur

Auf einmal ging es nicht mehr nur darum, Arminia Bielefeld »noch ein bisschen zu ärgern«, wie ihr Trainer Dirk Schuster im Vorfeld gesagt hatte. Auf einmal ging es tatsächlich wieder ums Große und Ganze. Die Darmstädter hatten an diesem Abend all das, was den Bielefelder abging: Mut, Ruhe am Ball und, ja, sogar Spielkultur.

So ging es denn tatsächlich mit 1:3 in die Verlängerung, wo selbst das zwischenzeitliche 2:3 den Gastgebern keine neue Sicherheit brachte. Wenn man sich jetzt noch mal den Notizblock des – zugegebenermaßen der Arminia nahestehenden – Berichterstatters anschaut, werden spätestens zu diesem Zeitpunkt die Aufzeichnungen immer spärlicher. Der letzte Eintrag lautet: »Gelähmt. Einfach nur gelähmt.«

Ob das der eigenen Person oder der Mannschaft unten auf dem Rasen galt, ist nicht mehr zu rekonstruieren. Und dann kam Elton da Costa.