Das Pokalwunder FC Sion

Der Pokal sind wir

Der FC Sion ist die beste Pokalmannschaft der Welt. Zwölfmal stand der schweizer Klub im nationalen Endspiel. Zwölfmal gewann der FC Sion. Heute soll es gegen Basel zum 13. Mal klappen.

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Es ist wieder soweit. Im Wallis, dem Bergkanton unter dem Matterhorn, reden alle über Fußball, auch die, die sonst beim Sport wegzappen. Ein klares Indiz: Es ist Cupfinal. Denn wenn der FC Sion dort dabei ist, herrscht Ausnahmezustand.

»Bist du bereit?«

Und so kommt Christophe Bonvin derzeit kaum voran, wenn er in der Stadt unterwegs ist. »T' es prêt?« wird er gefragt, »bist du bereit?« Vier Pokalsiege hat der Flügelspieler mit Sion errungen, dreimal traf er im Finale. Bereit? Bonvin wird am Sonntag nicht auf dem Platz stehen: Er ist 50 Jahre alt, ein freundlicher Herr und erfolgreicher Winzer, der Name verpflichtet. Und doch antwortet er: »Ich bin bereit.« Und fragt dasselbe zurück.

So oft, so ritualhaft passiert das, als müsse das ganze Wallis den Pokal gemeinsam erobern. Und ein Stück weit sieht man das hier tatsächlich so. »Ein Cupfinal mit Sion findet nicht nur im Stadion statt«, so Bonvin, »er beginnt spätestens zwei bis drei Wochen vorher. Auf der Straße, in der Kneipe, im Büro baut sich eine Stimmung auf, die das ganze Wallis ergreift und sich auf die Spieler überträgt.«

Eine ganz besondere Energie

Sion, in der Meisterschaft bestenfalls Durchschnitt, hat vor dem Final gegen den FC Basel eine Bilanz, die ihresgleichen sucht: Zwölfmal kämpften sich die Walliser ins Endspiel vor – und gewannen alle zwölf. Sechsmal nach Rückstand, dreimal mit zwei Toren, Verlängerung, Elfmeterschießen: Alles kein Problem. Natürlich ist es auch Sion, das als einziger Zweitligist den Schweizer Cup holte. Wen man auch fragt, wie das möglich ist: In der Antwort wird es um die »Ambiance« gehen, um eine spezifisch walliserische Energie.

»Der Pokal mit seiner Zuspitzung zum Duell um alles oder nichts passt schon sehr gut zu uns«, sagt  Hans-Peter Berchtold. Seit 1979 schreibt er für den »Walliser Boten«, seit 1982 über den FC Sion. 1980 schon als Fan dabei, wird es sein elfter Final sein. »Es ist ein bisschen wie das gallische Dorf, das sich gegen die Römer erhebt und sie als Gemeinschaft besiegt.« Der Vergleich sitzt: Wie Asterix und Co. gelten die Walliser als stolz, eigenwillig, feierlustig - und unter sich zerstritten. Für die große Schlacht stehen sie zusammen.