Das nächste DFB-Juwel: Frankfurts 17-jähriger Spielmacher Marc Stendera

»Stendera hat eine Strategie«

Seine sportliche Entwicklung hat unter seinem persönlichen EM-Drama allerdings nicht gelitten. Seit dem Realschulabschluss im vergangenen Sommer ist Stendera, der im Eintracht-Internat wohnt, fester Bestandteil der Profimannschaft. Unter der Woche trainiert er mit der ersten Mannschaft, am Wochenende bombt er sich durch die A-Jugend. So war es zumindest in der Hinrunde. Seit einigen Wochen darf er auch am Wochenende bei den Profis mittun. Vor zwei Wochen folgte das Debüt gegen Bayern München, als fünftjüngster Spieler der Bundesligageschichte. Erste Amtshandlung: Er senste Philipp Lahm an der Außenlinie um. So etwas nennt man wohl unbekümmert aufspielen. »Das war kein Bonbon«, urteilte Trainer Armin Veh anschließend  über den Kurzeinsatz seines Debütanten. »Ich halte viel von ihm. Er wird mal ein Bundesligaspieler, weil er eine Strategie hat.«

»Die Freistöße kamen Weltklasse«

Am vergangenen Samstag folgte dann das Debüt in der Startelf im Spitzenspiel gegen Schalke 04. Stendera ersetzte Frankfurts etatmäßigen Zehner Alex Meier – und war prompt der zentrale Spieler auf dem Platz. Wie selbstverständlich schnappte sich der 17-Jährige die Freistöße und brachte sie mit einer selten gesehen Gefährlichkeit vor das Schalker Tor. »Wie Granaten«, gab sich Manager Bruno Hübner anschließend beeindruckt. Es war eine solche »Granate«, die dem Siegtreffer von Marco Russ vorausging. »Ein Riesenlob an ihn. Die Freistöße kamen Weltklasse«, sagte Russ anschließend. Aber auch abseits der ruhenden Bälle war Stendera der bestimmende Spieler der Eintracht. Zweikampfstark, mit Übersicht und einer erstaunlichen Ruhe und Präsenz. »Ich konnte in der Nacht vor dem Spiel nicht richtig schlafen. Ich war schon aufgeregt«, sagte Frankfurts Nummer 37 nach der Partie. Gemerkt hat man davon nichts.

Wie schnell es auch wieder bergab gehen kann, wird Stendera nach dem Auf und Ab der vergangenen U-17-EM wissen. Wenn er mit einem ähnlichen Leistungssprung auf seine erste Krise im Profi-Bereich reagieren kann, darf man viel von ihm erwarten. »Jubelt sie nur nicht zu hoch«, mahnte Trainer Armin Veh vor der Saison, als Stendera gemeinsam mit B-Jugend-Kollege Marc-Oliver Kempf einen Profivertrag unterschrieb. Bei einem derartigen Einstand fällt das allerdings schwer.