Das Millerntor-Stadion wird an die Fans verkauft

»Wir treffen da Nerv und Zeitgeist«

Der FC St. Pauli will sein Stadion verkaufen! Aber nicht an irgendwen, sondern an seine Fans. Wie das genau funktionieren soll, haben die Macher des Klubs dem Hamburger Straßenmagazin »Hinz&Kunzt« verraten. Wir haben die exklusive Vorabmeldung.

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Keine Großinvestoren, sondern der Schwarm der braunweißen Fans als Quelle zur Finanzierung des vereinseigenen Stadions: Beim FC St. Pauli steht das visionäre Modell des Verkaufs des Millerntors per Genossenschaftsmodell an die eigenen Anhänger kurz vor der Verwirklichung. Das sagen St. Pauli-Präsident Oke Göttlich und FCSP-Geschäftsführer Andreas Rettig in einem Interview mit dem Hamburger Straßenmagazin Hinz&Kunzt – und prangern darin auch Fremdfinanzierungsmodelle à la RB Leipzig an, »die in ihrer Absurdität keine Grenzen mehr kennen«.

Nicht den Stadionnamen verkaufen, sondern stattdessen das Stadion an die eigenen Fans: Beim FC St. Pauli wird aus der im November letzten Jahres erstmals öffentlich thematisierten Vision des Verkaufs großer Anteile des Millerntor-Stadions per Genossenschaftsmodell schon in naher Zukunft Realität. »Aus dem Mittelstreckenlauf für dieses Projekt ist jetzt der Endspurt geworden«, sagt St. Pauli-Präsident Oke Göttlich in einem am 17. Juli erscheinenden Sondermagazin des Hamburger Straßenmagazins »Hinz&Kunzt« über den Kiezklub (mehr dazu unten).

Erfreut zeigt sich der scheidende St. Pauli- und frühere DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig dabei über das Echo auf den revolutionären Vorstoß. »Das ist echt spannend: Wir haben im bisherigen Prozess nahezu keine negative Reaktion dazu erfahren, wir treffen da den Nerv und den Zeitgeist.«

Start von der grünen Wiese aus

Die St. Pauli-Bosse äußern sich in dem gemeinsamen Interview erstmals detailliert zum Stand der Pläne, große Anteile der vereinseigenen »Millerntor Stadion Betriebsgesellschaft« (MSB) an die Fans zu verkaufen und den Besitz des Stadions damit weitgehend zu sozialisieren. Präsident Göttlich nennt seinen Verein dabei »eine riesige Projektionsfläche für Visionäre und Utopisten: Auf uns sind Genossenschaftswissenschaftler zugekommen, die gesagt haben: ›Boah, wenn ihr so ein Modell macht, mit eurer Strahlkraft, dann könnte das auch einen Aufbruch mit sich bringen für eine Vergenossenschaftlichung bei ganz anderen Themen‹.«

Deswegen, so Rettig, seien auch »viele kluge Köpfe sofort unglaublich motiviert gewesen, uns zu helfen, damit wir möglichst wenig Fehler machen, wenn wir schon von der grünen Wiese aus starten.«