Das Märchen von Sassuolo-Kapitän Francesco Magnanelli

Das Haar in der Märchensuppe

Doch mit solchen Fußballmärchen ist es so eine Sache. Sie sind nie so schön, wie sie scheinen. Denn genauso eng wie mit Magnanelli ist der Erfolg in Sassuolo mit einem anderen Namen verknüpft: Giorgio Squinzi. 2002 steigt der Bauunternehmer mit seiner Firma »Mapei« als Hauptsponsor beim Verein ein. Nur ein Jahr später gehört ihm der Klub. 

Unter dem Mäzen verhindert der Klub 2004 zunächst in letzter Sekunde in die komplette Bedeutungslosigkeit, bevor zur Saison 2005/06 der bis dato unbekannte Mittelfeldspieler Magnanelli verpflichtet wird. Der war bei seinem Jugendverein AS Gubbio 1910 nie über eine Reservistenrolle hinausgekommen, wechselte innerhalb von drei Jahren von Verona über Florenz nach Sangiovannese. Sein Glück fand er nirgends. Doch beim Viertligisten Sassuolo nimmt Magnanelli, damals 21, sofort die Rolle als Dirigent der Mannschaft ein. Innerhalb von nur zwei Jahren führt er das Team in die Serie B.

Dort musst der Verein aus seinem kuscheligen 4.000 Plätze-Stadion ausziehen, weil es nicht zweitligagerecht ist - und dann über fünf Jahre seine Heimspiele im Stadion des FC Modeno austragen. Fünf Jahre später, 2013, wird der Traum wahr. Ein Last-Minute-Treffer gegen Livorno sichert am 18. Mai den Aufstieg in die Serie A. Es gibt Bilder von der Siegesfeier. Der Erste, der die Aufstiegstrophäe in die Höhe reckt ist Francesco Magnanelli. Und er ist der Einzige, der sich nicht spontan die Haare grün gefärbt hat. Die Botschaft ist klar: Der Leader lässt seine Jungs feiern, er trägt die Verantwortung.

Seither hat Francesco Magnanelli 97 Spiele als Kapitän in der höchsten italienischen Spielklasse absolviert. Ermüdungserscheinungen? Keine. In der Liga sowie in der Europa League spielte er in allen Spielen durch, zerriss sich für das Team, lenkte das Spiel, vergeigte Übersteiger - und holte sich den Ball per Grätsche zurück. So wie er es immer getan hatte, seit er vor zehn Jahren zu einem Viertligisten in der italienischen Provinz gewechselt war.