Das lässige Leben von Frank Rijkaard

Rijkaard ist raus

Mit Barcelona gewann Frank Rijkaard 2006 die Champions League und galt lange als meist gehypter Trainer auf dem Markt. Doch die Oranje- und Milan-Ikone will nicht mehr zurück an die Seitenlinie. Lieber lebt der 56-Jährige einfach lässig in Amsterdam.

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Wer auf der Suche nach Frank Rijkaard ist, muss sich einfach nur in die Straßen seiner Geburtsstadt Amsterdam begeben. Dort sieht man die Oranje-Ikone häufig seelenruhig entlang der Grachten spazieren. Was Frank Rijkaard eigentlich gerade macht, fragen sich viele. Nun, wohl einfach nur Frank Rijkaard sein.

Es kommt selten vor, dass sich einer der besten Fußballer seiner Zeit so völlig aus dem Geschäft zurückzieht. Keine Talkshows, keine TV-Analysen, keine Beraterprovision, keine Weißbierwerbung, aber eben auch keine Hütchen mehr aufstellen für Rijkaard; den Antreiber in Sacchis Milan, das 1989 sowie 1990 den Europapokal der Landesmeister dominierte; den Routinier der blutjungen Ajax-Elf, die unter Louis van Gaal 1995 sensationell die Champions League gewann.

An Angeboten hat es nie gemangelt

Auch als Trainer feierte der Europameister von 1988 Erfolge und holte 2006 mit zauberhaftem Fußball den Henkelpott nach Barcelona. An Angeboten hat es seitdem nie gemangelt, doch der 56-Jährige will nicht mehr. 

Seinen letzten großen Auftritt hatte Frank Rijkaard am 25. April vor einem Jahr. Gemeinsam mit drei Kindern des Amsterdamer Alt-Bürgemeisters Eberhard van der Laan drückte er auf einen roten Buzzer und verwandelte die Amsterdam ArenA unter Konfettiregen offiziell in die Johan Cruijff Arena.

Für Rijkaard, der zwei Jahre gemeinsam mit Cruijff bei Ajax spielte und der 22 Jahre zuvor auch die Eröffnung des Stadions des niederländischen Hauptstadtklubs durchführte, war dies »ein besonderer Moment an einem emotionalen Tag«, wie er selbst sagte. Sein früherer Teamkollege wäre an diesem Tag 71 Jahre alt geworden. Gut zwei Jahre nach dessen Tod wurde der legendären Nummer 14 endlich diese besondere Ehre seiner Heimatstadt zuteil. »Ich denke, dass alle hierauf gewartet haben«, betonte Rijkaard.

Bewegende Rede für Cruijff

Der Tod seines Mentors ging dem früheren Weltklassespieler sichtlich nah. Auf der niederländischen Sportlergala 2016 hielt Rijkaard eine bewegende Trauerrede und erzählte, wie er einst gemeinsam mit Cruijff einen Waldlauf im Ajax-Training abkürzte. »Komm mit«, habe ihm der 15 Jahre ältere Weltstar Cruijff gesagt, als er ihn hinter sich entdeckte. »Ich weise dir den Weg.« Und das tat er fortan.

Der Draht zwischen Rijkaard und Cruijff wurde ein ganz besonderer. Sie waren mehr als nur Kollegen. »Ich habe unter ihm gespielt und er hat mich beraten, auch als ich Trainer in Barcelona war. Wir waren sehr eng - und damit schließe ich auch seine Familie mit ein.«

Es ist kein Zufall, dass Rijkaard nach Cruijffs Tod ins Grübeln geriet und noch im selben Jahr seinen Rückzug aus dem Trainergeschäft für endgültig erklärte. »Ich werde Johans Gedankengut nicht mehr auf dem Rasen in die Welt tragen«, hieß es in seiner Abschiedserklärung.