Das »Jahrhundertalent« David Hoilett

Zum Feinschliff bereit

David Hoilett ist der Mann der Stunde in der 2. Bundesliga. Nach seinen fünf Toren in den letzten drei Spielen liegt ihm ganz St.Pauli zu Füßen. Doch wie lange werden sie den »Heuler« am Millerntor noch feiern dürfen? Das »Jahrhundertalent« David HoilettImago Fußball genießt in der kanadischen Sportwelt in etwa den gleichen Stellenwert wie hierzulande Faustball oder Fingerhakeln. Wer etwas auf sich hält spielt in Nordamerika lieber Eishockey. David Hoilett galt in seiner Jugend in vielen Sportarten als talentiert, warum er sich jedoch schlussendlich gegen Schlittschuhe und Zahnprothesen entschied und stattdessen in Toronto allein im Hinterhof Fußball spielte, ist jedoch nicht überliefert. Das dürfte den Fans und Verantwortlichen des FC St. Pauli auch herzlich egal sein. Sie freuen sich momentan einfach nur, diesen Rohdiamanten in ihren Reihen zu haben.

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Bereits mit 13 Jahren wagte David Hoilett den Sprung aus seiner Heimat Kanada nach England in das Fußballinternat der Blackburn Rovers. Er ahnte wohl, dass er seinem Traum, einmal für Arsenal London auflaufen zu dürfen, zumindest räumlich ein bisschen näher rücken müsste, anstatt zu warten, dass in jemand den Hinterhöfen Kanadas entdeckt. Bei den Rovers durchlief er alle Ausbildungsstufen der Jugendabteilung, in der unter anderem auch der Kölner Kevin Pezzoni zu einem Bundesligaprofi heranwuchs. Doch Hoiletts Entwicklung drohte zu stagnieren, denn dem Schritt in den Profikader waren rechtliche Grenzen gesetzt. Hoilett war in der Premier-League nicht spielberechtigt, da eine Regel besagt, dass Profi-Fußballer aus einem Nicht-EU-Land eine spezielle Arbeitsgenehmigung brauchen. Die wiederum bekommt man nur, wenn man Nationalspieler-Status erlangt. Da Hoilett bisher noch kein Länderspiel für Kanada oder Jamaika, für das er ebenfalls spielberechtigt wäre, aufweisen konnte, schien ihm der Platz auf der Tribüne so gut wie sicher.

Keine Zeit für Matchbox Autos

Doch ihm blieb der harte Sitzplatz auf den Rängen des Edwood Parks in Blackburn erspart, denn der SC Paderborn lieh Hoilett in der Vorsaison für ein halbes Jahr aus. In den 11 Spielen beim späteren Zweitliga-Absteiger fiel Hoilett, in einer ohnehin verunsicherten Mannschaft, kaum auf. Zu Beginn dieser Saison wurde er dann für ein Jahr an den FC St. Pauli ausgeliehen. Und dort würden sie ihn mittlerweile am liebsten gar nicht mehr weglassen. Die Fans am Millerntor haben den 18-jährigen schnell in ihr Herz geschlossen. Seine mutige, manchmal vogelwilde Spielweise macht Hoilett zur spektakulärsten Figur im Spiel der Kiezkicker. Nach anfänglichen Problemen ist »Heuler«, wie er von seinen Mannschaftskollegen gerufen wird, mittlerweile unersetzlich geworden. Kein Wunder, denn mit fünf Toren in den letzten drei Spielen, schoss Hoilett nicht nur Rostocks-Trainer Dieter Eilts in die Arbeitslosigkeit, sondern den FC St. Pauli zurück in den Dunstkreis der Aufstiegsaspiranten. Sein Trainer Holger Stanislawaski kommt kaum noch aus dem Schwärmen heraus. Hoilett sei ein »Jahrhundertalent« und wenn er könnte, würde er ihn »am liebsten adoptieren«, sagt Stanislawski und wird nicht müde zu wiederholen, dass andere mit 18 Jahren noch mit Matchbox Autos spielen, während Hoilett gestandenen Verteidigern Woche für Woche Knoten in die Beine dribbelt. Allerdings beginnt für den Rohdiamanten David Hoilett jetzt erst der Feinschliff. Seine Defensivarbeit ist phasenweise haarsträubend und auch sein enormer Offensivdrang ist nicht immer nur positiv für die Mannschaft. Zu oft entstehen Ballverluste, die mit großem Aufwand korrigiert werden müssen. Doch sein überdurchschnittliches Talent ist nicht zu übersehen. Mit seinen 1,70 Metern ist er extrem wendig und verfügt über eine atemberaubende Technik. Der quirlige Kanadier erfüllt also gleich zwei Kategorien, die bei jedem Fußball-Manager Schnappatmung und schweißnasse Achselhöhlen verursachen: er ist jung und spektakulär.

David Hoilett ist endlich ein gefragter Mann und diesmal ergreift er selbst die Initiative. Er reist in der kommenden Länderspielpause nach England, um bei den Blackburn Rovers nähere Auskünfte über seine Zukunft einzuholen. Er würde gerne noch ein Jahr am Millerntor spielen, aber jeder auf St. Pauli weiß, dass ein 18 Jähriger mit diesen Qualitäten, wohl nicht mehr lange zu halten sein wird. Um seinem Traum von der Premier-League einen Schritt näher zu kommen, wartet er aber weiterhin auf sein erstes Länderspiel. Am Millerntor dürfen sie ihm lediglich helfen, seine Fähigkeiten zu veredeln. Und irgendwann werden sie auch in Kanada merken, dass sie einen wie David Hoilett gut gebrauchen können.