Das ist die Ausstellung zu weiblichen Fußballfans

Wie die Ausstellung bisher ankommt

Antje Grabenhorst ist selbst vielfältig fanpolitisch aktiv, ihr Herz hängt an Werder Bremen. »Irgendwie hat es mich trotzdem überrascht, welche Bedeutung die Frauen dem Fußball beimessen. Das war immer wieder beeindruckend«, sagt sie. Auch sie steht am Samstagvormittag in der Sonne vorm Millerntor-Stadion und lächelt zufrieden. Die erste Bewährungsprobe hat die Ausstellung überstanden. Rund die Hälfte der interviewten Frauen sind zur Premiere gekommen – und vom Ergebnis größtenteils begeistert.

Keine Dauerkarten für Frauen

Das gilt auch für Ines. »Ich finde es großartig, dass die Vielfalt der Frauen im Fußball so sichtbar gemacht wird. Das zeigt, dass Fußball auch anders möglich ist«, meint sie, »und durch die vielen verschiedenen Zugänge werden sicherlich viele Leute erreicht.« Sie ist auch deshalb nach Hamburg gekommen, weil sie sich mit anderen weiblichen Fans – und solidarischen Männern – austauschen will. Dabei ist sie bereits umfangreich vernetzt, unter anderem als Teil des Netzwerkes »F_in – Frauen im Fußball«.

Ihr Anliegen dürfte von Erfolg gekrönt gewesen sein. Zur Eröffnung ihrer Ausstellung haben die Organisatorinnen eine kleine Konferenz zu weiblicher Fankultur auf die Beine gestellt. In Workshops diskutieren die Teilnehmenden über Selbstorganisation, Frauen in Führungspositionen oder Gewalt im Fußball. Auffallend ist, welche unterschiedlichen Spielräume die Frauen zum Teil haben. Während einige wie selbstverständlich an der Spitze von Fan-Verbänden oder gar Fußballvereinen stehen, berichten Fans aus Moskau, dass sie erst dann die Möglichkeit haben, eine Dauerkarte zu erwerben, wenn keine Männer mehr Interesse bekunden.

Malmös »All-Female-Fanklub«

Im Workshop zu Frauen-Fan-Gruppen stellt Agnes aus dem schwedischen Malmö ihren Fanclub vor, die »Malmösystrar«. Mit einigen Freundinnen hat sie die Gruppe vor zweieinhalb Jahren gegründet, mittlerweile gibt es 160 Mitglieder. Es ist wahrscheinlich der größte »All-Female-Fanklub« Europas, meinen einige.

»Das war mir überhaupt nicht bewusst«, sagt Agnes später, »aber es freut mich natürlich, dass wir so vielen Frauen inzwischen einen Anlaufpunkt bieten.« Auch sie geht schon ihr ganzes Leben lang zum Fußball: »Das ist Teil unserer Identität. Wenn du aus Malmö kommst, bist du Malmö-Supporter.« Ihr Bruder ist in einer Ultra-Gruppe, Agnes wollte das eine Zeit lang auch. Aber in Schweden gebe es praktisch keine weiblichen Ultras.

Ein paradoxes Los

»Ich fand es spannend zu hören, dass das in Deutschland anders ist«, erzählt sie über die Erfahrungen, die sie am Wochenende in Hamburg gesammelt hat. Mittlerweile macht das für Agnes keinen Unterschied mehr. Ihr Fan-Sein lebt sie auch ohne Zugehörigkeit zum elitären Männer-Zirkel aus. »Wir stehen mitten in der Kurve«, sagt sie, und klar, habe sie als Frau schlechte Erfahrungen im Fußballstadion gemacht, an anderen Orten aber noch mehr.

Wie auch Ines und Antje Grabenhorst wäre Agnes glücklich, wenn der Geschlechterunterschied im Fußball eine kleinere Rolle spielen würde. Sie sagt, sie definiere sich nicht als weiblicher Fußballfan. »Ich wüsste nicht, was der Unterschied sein soll«, erklärt sie beinahe empört. Und doch ist sie Teil der Ausstellung. Es scheint das gemeinsame – und paradoxe – Los der »fan.tastic females« zu sein: sich als weibliche Fußballfans Gehör verschaffen – um nicht nur als weibliche Fußballfans zu gelten.

Die Ausstellung wird in den kommenden zwei Wochen im FC-St.-Pauli-Museum gezeigt, bevor sie auf Tour geht. Im aktuellen Rahmenprogramm finden sich unter anderem ein Vortrag von Antje Grabenhorst sowie vom Autor dieses Artikels.