Das ist die Ausstellung zu weiblichen Fußballfans

Fantastische Frauen

In Hamburg wurde an diesem Wochenende die Ausstellung »fan.tastic females« über Frauen im Fußball eröffnet. 11FREUNDE war dabei – und angetan.

Simon Volpers

»Wenn ich mir etwas wünschen könnte, würde ich Frauen- und Männerfußball komplett abschaffen. Dann gebe es einfach nur noch Fußball«, sagt Ines. Sie sitzt am Samstagvormittag vorm Hamburger Millerntor-Stadion, raucht selbstgedrehte Zigaretten und fügt hinzu: »Das habe ich auch in meinem Ausstellungsbeitrag erzählt.« Ines ist ein Kind des Fußballs, ging im Alter von sechs Jahren das erste Mal an Papas Hand zur Salzburger Austria. Viele Jahre sollte sie bleiben, bis sie ihre Jugendliebe eines Tages an den Red-Bull-Konzern verlor und in Wien landete. Heute ist sie eine der aktivsten Fans des Traditionsklubs First Vienna FC.

Ihre Geschichte ist porträtiert im Rahmen der Ausstellung »fan.tastic females«, die an diesem Wochenende mit einigem Tamtam in den Räumen des FC-St.-Pauli-Museums eröffnet wurde – ebenso wie die Fan-Biographien dutzender weiterer Anhängerinnen. Der Wunsch nach einem Fußball ohne Geschlechtergrenzen ist dabei mit Sicherheit eine der kontroverseren Ideen. Doch er streift ein Thema, das auch die meisten anderen Frauen in der Ausstellung zu bewegen scheint: Wie wichtig der Geschlechterunterschied im Fußball gemacht wird – und wie egal er doch eigentlich sein könnte, zumindest in den Fankurven.

Weibliche Fankultur sichtbar machen

Dass der Geschlechterunterschied an Bedeutung verliert, wünscht sich auch Antje Grabenhorst. Dennoch hat sie die vergangenen zwei Jahre damit verbracht, eine Ausstellung zu konzipieren, die genau diese Differenz zum Thema macht. »Fan.tastic females« zeigt ausschließlich Frauen, die Fußballfans sind. »Unser Ziel war es, weibliche Fankultur sichtbar zu machen«, blickt sie zurück. Noch immer sei es oft problemlos möglich, Frauen im Fußball einfach zu übergehen, meint sie und hat ein aktuelles Beispiel parat: »Lazio-Rom-Ultras haben den Frauen in ihrem Stadion verboten, in den ersten zehn Reihen der Kurve zu stehen«. Frauen seien keine echten Fans, so jedenfalls die Meinung der Römer Ultras.

Sie wären dieses Wochenende in Hamburg ins Staunen gekommen. Mit einer Auftaktveranstaltung und der feierlichen Eröffnung fand das Projekt von Antje Grabenhorst und ihrem Team einen vorläufigen – und beeindruckenden – Höhepunkt. Über acht Stunden Videomaterial sind in der interaktiven Ausstellung zusammengekommen. Etwa 90 Frauen aus über 20 Ländern erzählen in Kurzinterviews über ihre Erfahrungen im Fußball, die strukturell ähnlich und zugleich doch völlig verschieden sind.

Fan seit 70 Jahren

Die Auswahl ist gewaltig: Besucher hören und sehen die 79-jährige Maria, die seit den 1950er Jahren dem FC Arsenal die Treue hält, ebenso wie weibliche Ultras aus Jena, Istanbul und St. Petersburg oder die Geschichte von Zahra aus dem Iran, wo es Frauen verboten ist, Männerspiele zu besuchen. Auch eine Spielerfrau hat es in die lange Reihe geschafft: Mona Opp-Neustädter spricht in ihrem Beitrag auch darüber, mit welchen gängigen Klischees sie sich in ihrer Rolle konfrontiert sieht.

Die Idee, die Geschichten weiblicher Fans auszustellen, bestehe schon viele Jahre, erzählt Antje Grabenhorst. Unter der Federführung der Fan-Organisation »Football Supporters Europe« ist sie nun Realität geworden. Und das Ergebnis weiß zu überzeugen: Angenehm innovativ und professionell kommen die Videos und Schautafeln der Ausstellung daher, die Verwurzelung des Projekts in den Fanszenen ist dennoch nicht zu übersehen.