Das ist Bayerns neues Wunderkind Alphonso Davies

Oh, wie schön ist Kanada

Seit gestern steht fest: Alphonso Davies wechselt zu Bayern München. Der Mittelfeldspieler ist gerade mal 17 Jahre alt und Kanadas jüngster Nationalspieler aller Zeiten – und das alles nur, weil sein Vater keine Waffe in die Hand nehmen wollte.

Twitter/CanadaSoccer

Oh, wie schön ist Kanada. Dieses wunderbare Land, das ziemlich genau so ist, wie es die USA so gern wäre - offen, sozial und liberal zugleich.

Ein Land, in dem Homosexuelle sein dürfen, was sie sind, nämlich Menschen wie alle anderen. Ein Land, in dem medizinische Versorgung das ist, was es sein sollte, nämlich selbstverständlich.

Kanadier seit einer Woche

Ein Land, in dem Aufstiegschancen keine hohlen Phrasen, sondern gelebte Realität sind. 

So auch im kanadischen Fußball, wie der Fall von Alphonso Davies beweist. Der ist gerade einmal 17 Jahre alt und seit Juni 2017 Nationalspieler Kanadas. Der jüngste aller Zeiten dazu. Dabei ist Davies überhaupt erst seit kurzem Kanadier - nämlich seit etwas mehr als einem Jahr.



Und obwohl Davies gerade einmal 17 Jahre alt ist, war es ein langer Weg für ihn. Ein Weg, der ihn durch drei Länder und zwei Kontinente führte. Ein Weg, der den flinken, technisch beschlagenen Linksfuß und Außenstürmer nicht nur in die Nationalmannschaft, sondern bis in die Notizbücher von Manchester United, Arsenal und Liverpool geführt hat. Und jetzt, für ein Gesamtvolumen von 19 Millionen Euro, sogar zum FC Bayern München. Gestern setzte der deutsche Rekordmeister die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis, dass Davies in Philadelphia den Medizincheck bestanden hat, sein neuer Vertrag läuft bis 2023. Im Januar, kurz nach Davies 18. Geburtstag, wird er dann auch tatsächlich nach München kommen. Bis dahin bleibt er in Vancouver. 

Nichts zu essen, nichts zum Anziehen, nichts



Alles beginnt in Monrovia, der Hauptstadt Liberias. Das von einem Bürgerkrieg geplagte Land ist kurz vor der Geburt ihres Sohnes kein Ort mehr zum Leben für die Eltern Victoria und Debeah. Alphonsos Vater sagt im Rückblick: »Die einzige Chance, zu überleben, war es, selbst zur Waffe zu greifen. Aber wir wollten keine Waffen abfeuern.« Also tritt die Familie die Flucht an. Über die Elfenbeinküste geht es zunächst nach Ghana. In einem Flüchtlingslager in Buduburam kommt Alphonso schließlich zur Welt.

Als er fünf Jahre alt ist, gelingt die Ausreise nach Kanada.

 Für seine Mutter ist allein das schon ein Sieg für die Ewigkeit: »Im Flüchtlingscamp hatten wir nichts. Nichts zu essen, nichts zum Anziehen, nichts. Hier in Kanada haben wir alles.« 

Doch auch in der neuen Heimat, die so eine großartige ist, ist aller Anfang schwer.