Das Finale im Europapokal der Landesmeister 1979

Der Triumph

Weil man auf der Insel über Malmö so gut wie nichts wusste ( Liverpools Kapitän Emlyn Hughes etwa hatte den Schweden herablassend allenfalls das Niveau eines englischen Drittdivisionärs attestiert ), war für die Medien nur noch die Frage offen, wie hoch Forest gewinnen würde. Zwar war sicherlich jeder Akteur Forests seinem Pendant auf Seiten Malmös individuell überlegen, aber die Schweden waren bisher bestens damit gefahren, unterschätzt zu werden. Die Elf galt als kantig (welche schwedische Mannschaft tut das nicht?) und äußerst abwehrstark, denn in sechs ihrer diesjährigen acht EC – Spielen, in denen sie den AS Monaco, Dynamo Kiew, Wisla Krakau und Austria Wien ausgeschaltet hatte, war sie ohne Gegentreffer geblieben. Ihre wirkungsvollste Waffe war dabei die perfekt einstudierte Abseitsfalle gewesen, in die nun auch die Spieler Forests prompt rund zwanzigmal (die genauen Angaben in der Literatur schwanken zwischen 15 und 26) hineintappen sollten.

Revanche in München

Nach vorn aber würde, angesichts der Klasse, die auch Nottingham in der Abwehr besaß, wenig bis nichts laufen, das war auch Malmös jungem englischen Trainer Bob Houghton klar, der einst bei Ipswich Assistent von Bobby Robson gewesen war. Man würde, wollte man selbst ein Tor erzielen, auf Fehler des Gegners warten müssen. Ein solcher kam unverhofft früh. Alles hätte anders kommen können, wenn der blutjunge Jan–Olov Kindvall in der achten Minute die erste, vorletzte (Cervin vergab noch in der ersten Hälfte die letzte nachdem er mehrere Gegner umdribbelt hatte) und beste Torchance Malmös nicht überhastet versiebt hätte, die sich ihm nach einer verunglückten Kopfballrückgabe von Burns bot. Von da an beherrschten die Engländer das Spiel fast nach Belieben. Das Tor, dass das einzige bleiben sollte, fiel unmittelbar vor der Halbzeitpause. Robertson setzte sich auf seine typische Art am linken Flügel gegen zwei Gegenspieler durch und flankte Richtung langer Pfosten. Torhüter Möller zögerte mit dem Rauslaufen, wodurch erst Millioneneinkauf Francis, der am rechten Flügel herangestürmt kam, die Gelegenheit erhielt, den Ball per Kopf aus relativ spitzem Winkel unter die Latte zu wuchten. So wie sie es schon zuvor getan hatten, vergaben die Spieler Forests danach noch etliche hochkarätige Gelegenheiten, von denen ein Pfostenschuss Robertsons die spektakulärste war. Die Schweden kamen zwar in der zweiten Halbzeit gelegentlich aus dem Schneckenhaus ihrer Abwehr heraus, doch in der gegnerischen Hälfte offenbarten sie eine erschreckende Harmlosigkeit.          

Bemerkenswert und heute absolut unvorstellbar war zudem, dass Brian Clough bei den anschließenden Feierlichkeiten in Nottingham nicht zugegen war, weil er es vorzog, zu seiner Familie zurückzukehren, die auf Kreta ihren Sommerurlaub verbrachte, den er fürs Finale hatte unterbrechen müssen.

Nur zwei Monate nach dem Finale kehrte Nottingham Forest nach München zurück, um gegen den FC Bayern, der in der abgelaufenen Saison im Gegensatz etwa zum MSV Duisburg und Hertha BSC Berlin die europäische Bühne nicht bespielt hatte, ein sicherlich gut dotiertes Freundschaftsspiel zu bestreiten. Cloughs Team nahm die Begegnung nicht sonderlich ernst und verlor mit 0:5, was sicherlich dazu beigetragen haben dürfte, dass die deutschen Medien noch lange über das Endspiel Nottingham gegen Malmö die Nase rümpften. Aus Sicht der Engländer war es also auch eine Art von Revanche, im Jahr darauf den klar favorisierten HSV im Madrider Endspiel zu besiegen. Und 1980/81, als Forest bereits in der ersten Runde gegen ZSKA Sofia die Segel streichen musste, übernahm es dann eben der zweite englische Vertreter, Vorjahrsmeister Liverpool, den deutschen Teilnehmer Bayern München mittels der Auswärtstorregel im Halbfinale zu eliminieren.