Das Finale im Europapokal der Landesmeister 1979

Ein Volk von Hammerwerfern

An vorderster Front spielten mit allen Freiheiten ausgestattet meist Tony Woodcock und Garry Birtles, beides waschechte, in Nottingham geborene home boys. Ersteren, der in 42 Länderspielen 16 Tore erzielte, muss man in Deutschland nicht weiter vorstellen, der andere, der zunächst keine Stammkraft, aber Cloughs bevorzugter Squash – Partner war, schaffte es auch bis in die Ländermannschaft, machte dann aber den Fehler, zu Manchester United zu wechseln, wo er absolut nicht zurechtkam. Nicht vergessen darf man natürlich den Schotten Archie Gemmill und den Nordiren Martin O’Neill (später selbst ein erfolgreicher Manager), die genauso gut hätten spielen können, aber gerade mal wieder mit Clough im Clinch lagen. 

Die Schweden kamen im Vereinsfußball lange Zeit auf keinen grünen Zweig, weil ihnen das Vollprofitum höchst suspekt war und daher die meisten jungen Talente frühzeitig ins Ausland abwanderten. Der schwedische Fußball war stets stark vom britischen beeinflusst, doch gerade dort genoss er keinen besonders guten Ruf. Noch 2001, als Sven Göran Eriksson, der ja längst ein ausgewiesener Taktikfuchs war und 1982 mit dem IFK Göteborg überraschend den UEFA–Pokal gegen den HSV gewonnen hatte, die three lions übernahm, lästerte ein Boulevardblatt, die Schweden, das sei doch ein Volk von Hammerwerfern. 

Abkühlung in der Isar 

Im Gegensatz zu Nottingham hatte Malmö FF aber bereits mehrmals am Europapokal der Meister teilgenommen, war jedoch meist früh gescheitert. Im Herbst 1975 sorgten die Halbprofis (von denen gleich vier Andersson hießen) hierzulande einmal für Furore, weil sie – nachdem zuvor DDR–Vertreter 1. FC Magdeburg im Elfmeterschießen niedergerungen worden war - im Hinspiel der zweiten Runde Titelverteidiger FC Bayern zu Hause mit 1:0 besiegten. Ausgerechnet Bayerns Schwede Conny Torstensson war es dann, der mit dem 2:0 im Rückspiel seinen Landsmännern den Knockout versetzte.

Am 30. Mai 1979, als in München das erst zweite Finale im Europapokal der Meister auf deutschem Boden ausgetragen wurde - genau 20 Jahre zuvor hatte in Stuttgart Real Madrid mit 2:0 gegen Stade Reims gewonnen - war es für den Frühsommer extrem heiß und schwül, weshalb viele der knapp 30 000 englischen Fans, die ihren Landesmeister begleiteten, in der Isar und den Brunnen der Innenstadt Abkühlung suchten. Malmö, das stark ersatzgeschwächt antreten musste ( u.a. fehlte der alte Bosse »Bo« Larsson, der mehr als ein Jahrzehnt zuvor beim VfB Stuttgart unter Vertrag gestanden hatte ) und sogar zwei 17-jährige aufbot, hätte sich wohl auch bei anderem Wetter hinten eingeigelt und versucht, möglichst oft alle zehn Feldspieler hinter den Ball zu bekommen. Aber den Spielern von Forest, die einschließlich der zur Finanzierung der teueren Mannschaft unverzichtbaren Freundschaftsspiele in dieser Saison schon 74 (!) Begegnungen in den Knochen hatten, die fast alle mit einem Stamm von lediglich 15 Mann bestritten wurden, setzten die ungewohnten klimatischen Bedingungen so stark zu, dass ihr laufintensives Offensivspiel nie richtig in die Gänge kam. Außerdem war deutlich zu spüren, dass ihnen die ungewohnte Rolle als haushoher Favorit nicht behagte.