Das Finale im Europapokal der Landesmeister 1979

Trevor Francis

In der Viererkette des Mittelfeldes standen mit Kapitän John McGovern, der über Hartlepool, Derby und Leeds wie eine Brieftaube, die von überall her den Weg nach Hause findet, Clough auf jeder seiner Stationen als Manager gefolgt war (Wer wissen will, wie es im englischen Vereinsfußball abseits von London, Manchester und Liverpool wirklich zuging, dem sei seine Autobiografie »From Bo’ness To The Bernabeu« anempfohlen) und dem äußerst vielseitigen Lee Bowyer, einem Konditionswunder, das dazu manch wichtiges Tor erzielte (wie etwa das einzige im Rückspiel des Halbfinales gegen den 1. FC Köln), zwei, die zu den stillen Helden der Mannschaft zählten: loyal, bienenfleißig und extrem mannschaftsdienlich. 

Weil Forests Spiel äußerst linkslastig war (fast alle Angriffe liefen über Robertson), griff Clough ganz tief in die nicht allzu üppig gefüllte Vereinskasse und holte fürs offensive rechte Mittelfeld Trevor Francis von Birmingham City, der später nach Italien ging, es aber dennoch auf über 50 Länderspiele brachte und fortan damit leben musste, der erste britische Spieler zu sein, der eine Million Pfund gekostet hatte. John Robertson ist zweifelsfrei ein Fall für sich. Er bereitete beim ersten Europacupsieg das einzige Tor des Spiels vor und erzielte selbst beim zweiten, das ja ebenfalls 1:0 endete, den goldenen Treffer. Klar, dass er sich damit für wohl alle Zeiten zum größten Helden in Forests Vereinsgeschichte machte. Aber das hätte ja auch pures Glück gewesen sein können. Ein Spieler von Weltklasseformat war er wegen dieser beiden Tore noch nicht unbedingt. Dass ihn das Magazin »FourFourTwo« 1997 in einer Top 100 der angeblich größten Fußballer aller Zeiten auf Platz 63 setzte, dürfte hier und da Stirnrunzeln hervorgerufen haben. Robertson schoss knapp 100 Pflichtspieltore für Forest und absolvierte auch einige Länderspiele für Schottland.

Flankenläufe gegen Manni Kaltz

Seine bestechendste Fähigkeit war aber, dass er auch in größter Bedrängnis und so gut wie ansatzlos zentimetergenau flanken konnte. Auf diese Weise bereitete er unzählige Treffer und war somit, obwohl nominell Linksaußen, so etwas wie Forests verkappter Spielmacher.  Er trank gern, viel und regelmäßig ohne sich dabei daneben zu benehmen; qualmte wie ein Schlot (die guten John Players, die ja in Nottingham produziert werden); vertilgte Unmengen Junk Food und tat auch sonst so ziemlich alles, was ein Leistungssportler tunlichst unterlassen sollte. Folglich trug er ein imposantes Bierbäuchlein vor sich her, zudem er besaß ein recht voluminöses Hinterteil, das er geschickt zwischen den Ball an seinem Fuß und den oder die Gegenspieler zu schieben verstand. Damit und mit seinem erstaunlich schnellen Antritt auf den ersten vier, fünf Metern (ab da war er langsam wie eine Schildkröte) verschaffte er sich fast immer den nötigen Platz, um zu flanken oder selbst zu schießen. Sein Tor gegen den HSV verdeutlicht seine Qualitäten in Reinkultur und belegt obendrein, dass Gegenspieler, die ihn nicht kannten, wie hier Manni Kaltz, für gewöhnlich höllisch unterschätzten. Heute wäre einer wie »Robbo« bei einem Spitzenclub natürlich undenkbar. Brian Clough war klug genug, gar nicht erst zu versuchen, ihn ändern und läutern zu wollen. Im Gegenteil, er nahm seinen gefährlichsten Angreifer so wie er war und bot ihm sogar die – dankend abgelehnte - Wette an, selbst weniger zu trinken, wenn Robertson seinen Nikotinkonsum reduziert.