Das Finale im Europapokal der Landesmeister 1979

Forests Sensationsmeisterschaft

18 Jahre später war man nun auf den achten Tabellenplatz abgerutscht, mit dem angestrebten Wiederaufstieg in die Eliteliga schien es erneut nichts zu werden. Doch Brian Clough, der Manager, der bereits 5 Jahre zuvor mit Derby County ein No Name – Team aus der Provinz zum Landesmeister gemacht hatte, und der nun seit knapp zwei Jahren im City Ground das Zepter schwang, scherte sich den Teufel um solche Zwischenstände. Nach 42 knüppelharten Punktspielen stieg Forest doch noch auf, wenn auch nur mit Ach und Krach als Tabellendritter (Play offs gab es seinerzeit noch nicht) hinter den Wolves und Chelsea. 

In der nächsten Saison, 1977/78, wurde Cloughs Elf bekanntlich sensationell englischer Meister, was als Aufsteiger seit 1888 nur vier Vereinen gelungen war, zuletzt Ipswich Town 1962. Aber diese vier waren alle im Jahr zuvor auch Erster in der zweiten Division geworden, dass deren Tabellendritter im Folgejahr auch noch den nationalen Titel holt, ist bis heute eine Einmaligkeit geblieben. Wohl gleichfalls europaweit einmalig und im Grunde schlichtweg märchenhaft ist die Tatsache, dass nicht weniger als sieben Akteure Nottinghams, die an besagtem 12. 2. 1977 beim Anpfiff auf dem Platz standen – Viv Anderson, Fred Clark, John McGovern, Larry Lloyd, Ian Bowyer, Tony Woodcock und John Robertson – zweieinviertel Jahre später jener Elf angehörten, die bei der aller ersten Teilnahme des Clubs den Europacup der Meister gewann. 

Gewöhnungsbedürftige Charaktere

Nottingham Forest war ungeschlagen über den FC Liverpool (2:0 und 0:0), den vom dicken Major Puskas trainierten AEK Athen (5:1 und 2:1), Grasshoppers Zürich (4:1 und 1:1) und den 1.FC Köln (3:3 und 1:0) ins Endspiel eingezogen. Cloughs Elf war simpel und sehr, sehr britisch im 4 – 4 – 2 - System strukturiert. Skurrile Typen und teils gewöhnungsbedürftige Charaktere, die aber in der Rückschau liebenswert anachronistisch erscheinen, gab es etliche. 

Weltklassekeeper Peter Shilton, der in 20 Jahren auf 125 Länderspieleinsätze kam, war der einzige wirkliche Star der Mannschaft. Angeblich stieg ihm der Ruhm vorrübergehend ein wenig zu Kopf, wofür folgende, immer wieder gern kolportierte Anekdote steht. In einem Gourmetrestaurant, in dem er zu verkehren begann, meinte er zum Kellner, der ihm die Menükarte gereicht hatte: »Ich habe keinen großen Hunger. Ich nehme nur ein paar von den hors und lasse dafür die d’oeuvre weg.« Vor Shilton agierte eine Viererabwehrkette, die das Prunkstück der Mannschaft war und im Meisterjahr in 42 Punktspielen nur 24 Gegentore zuließ. Einzeln betrachtet verkörperten Viv Anderson, dessen Name selten ohne die Anmerkung fällt, dass er Englands erster Nationalspieler mit dunkler Hautfarbe war, auf der rechten Seite, der bereits 35-jährige, aber noch recht schnelle Fred Clark links, sowie der bei Liverpool aussortierte, immens kopfballstarke Larry Lloyd und der Schotte Kenny Burns in der Mitte vielleicht nicht die absolute Spitzenklasse, aber im Verbrund funktionierten sie geradezu phänomenal. Burns, den erst Clough zum Innenverteidiger umschulte, war eines jener Defensivschlachtrösser, mit denen man sich besser nicht anlegt, und obendrein ein Unikum, wie es heutzutage im Profifußball kaum vorstellbar wäre. Er hatte strähnige, unglaublich fettige blonde Haare und kaum noch einen Zahn im Mund, sah aus, wie der Roadie einer drittklassigen Heavy Metal – Band. Er war auf den Straßen Glasgows groß geworden und verbrachte jede freie Minute beim Hunderennen. Als er mal den Zündschlüssel seines Wagens verlor, bemühte er sich erst gar nicht um Ersatz, denn Autos kurzschließen konnte er ebenso gut wie auf dem Platz seine Abwehr organisieren.