Das Fast-Drama um die Schalker Stehplätze

Zeig mir den Platz

Gestern wollte der FC Schalke die Stehplatz-Tageskarten noch abschaffen, heute zieht der Verein die Entscheidung zurück. Auf Schalke haben die Fans doch noch etwas zu sagen.

imago

Von »guten Nachrichten« war die Rede als der FC Schalke die Hiobsbotschaft verkündete. Die Folge: 24 Stunden Aufstand aus eigener Reihe. Und im Hintergrund: ein altes Vereinslied.

»Es kamen Stunden, graue Tage,
das Königsblau war leicht verblasst

Ihren 113. Ehrentag begangen die Königsblauen gestern feierlich mit der kompletten Abschaffung der Stehplatz-Tagestickets. Neben dem Fanklub-Kontingent werde es fortan nur noch »Saisonkarten im Stehplatzbereich« geben, hieß es. Diese Saisonkarten seien Personen auf der längst geschlossenen und hoffnungslos überfüllten Dauerkarten-Warteliste vorbehalten.

und manche leise bange Frage,
ob man den Anschluss nicht verpasst.

Die Logik: Wer sich die 263 bzw. 221 Euro für das Saisonticket nicht leisten kann, soll auf die teuren Sitzplätze ausweichen. Wer nicht zu jedem Spiel anreisen kann, hat in der Kurve nichts zu suchen.

Der Kontrast zum Leitbild des Klubs könnte kaum stärker sein: »Der FC Schalke 04 ist als Kumpel- und Malocher-Club entstanden. Daher ermöglicht unser Verein im Rahmen seiner wirtschaftlichen Verhältnisse seinen Anhängern aus allen gesellschaftlichen Schichten die Teilnahme am Vereinsleben und den Besuch der Spiele.« 

doch wir steh’n immer Hand in Hand

Ein Schlag ins Gesicht für alle unorganisierten Einzelpersonen ohne Chance auf Dauer- oder Saisontickets. Also genau für die Personen mit der geringsten Lobby im Verein. Die Empörung kam dennoch: Petitionen erhielten augenblicklich hunderte Unterschriften. Eine gesamte Szene verlor die Fassung. Solidarität von allen Seiten.

Am Mittag dann die eigentlich »gute Nachricht« zur Ankündigung des Vortages: Der Schulterschluss hatte etwas bewirkt. Der FC Schalke zog seine Entscheidung völlig überraschend zurück. 

Zeig mir den Platz, in der Kurve,
wo alle Schalker zusammensteh'n

In einer offiziellen Mitteilung heißt es: »Die Meldung hat für Irritationen und Unverständnis gesorgt. Das bedauern wir und korrigieren unsere falsche Entscheidung.« Richtig stark und sicherlich nicht alltäglich. Den Fans und ihrer »überwiegend konstruktiven Kritik« sei Dank.

Unheil abgewendet, Fans besänftigt, Situation gerettet. Alles richtig gemacht also seitens des Vereins. Der Erfolg zeigt aber auch: Die Vereinsmitglieder haben noch etwas zu sagen auf Schalke. 

Steh'n wir zusammen in der Kurve,
dann wird auch Schalke nie untergeh’n«

Ein gutes Zeichen gerade angesichts der kommenden Mitgliederversammlung. Hier brodelt es schön länger, denn eine Satzungsänderung, von einigen Anhängern als Erdogan-Antrag bezeichnet, soll die geringen Einflussmöglichkeiten der Vereinsmitglieder noch minimieren. Die kündigten bereits an sich zu wehren. Den richtigen Soundtrack dazu haben sie schon mal.

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