Das ewige Duell: Liverpool gegen Chelsea

Rien ne va plus

Mit Chelsea und Liverpool treffen sich heute zwei Schwergewichte des  europäischen Fußballs. Große Geheimnisse gibt es allerdings nicht mehr. Immerhin treffen sich beide Mannschaften auch außerhalb des Ligaalltags oft genug. Das ewige Duell: Liverpool gegen Chelsea Der FC Liverpool gegen den FC Chelsea, die »Reds« gegen die »Blues«, Benitez gegen Hiddink – das Duell der beiden Premier League-Giganten bietet viele Facetten.

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Die beiden Mannschaften gleichen sich jedoch mittlerweile, befeuert von den Millionen ausländischer Investoren, bis ins kleinste Detail. Natürlich kann man die Starensembles immer noch auf einzelne Spielerduelle reduzieren. Ob Lampard jedoch gegen Gerrard mithalten kann, ob Torres besser ist als Drogba oder Reina besser fängt als Cech, diese Fragen sind mittlerweile hundertfach durchleuchtet. Abschließend klären, konnte sie jedoch niemand, so dass die oft zitierte Tagesform nach wie vor die einzige Konstante in diesem Duell zu sein scheint. Interessanter wird es da schon beim Blick auf die Trainerbänke. Denn während Liverpool seit Jahren mit Rafael Benitez konstant arbeitet, ist die Trainerfluktuation auf Seiten der »Blues« beachtlich. Seitdem Benitez im Sommer 2004 den FC Liverpool übernahm, versucht auf der Gegenseite nun mit Guus Hiddink, nach Mourinho, Grant und Scolari, bereits der vierte Trainer von Weltformat, den größten Titel im europäischen Vereinsfußball an die Stamford Bridge zu holen. Der Druck, der vor jedem Spiel in der Königsklasse auf dem Trainer des FC Chelsea lastet, ist automatisch höher. Schließlich wartet nicht nur der mittlerweile leicht genervte Geldgeber Abramowitsch auf die Erfüllung des lang gehegten Traumes, irgendwann doch noch den silbernen Henkeltopf in die britische Hauptstadt zu entführen. Da Abramowitsch schon zu Beginn der Saison seine finanziellen Großzügigkeiten stark zurückschraubte, konnte der FC Chelsea seit Jahren erstmals nicht den kompletten Kader umkrempeln, sondern sich lediglich mit den  Portugiesen Deco und Bosingwa verstärken. Es herrscht Angst in London, dass der Russe bei einem erneuten Scheitern auf der europäischen Bühne irgendwann den Spaß an seinem Spielzeug verliert. Auch die erfolgsverwöhnten Zuschauer wollen nach der letztjährigen Finalniederlage den europäischen Titel mehr denn je. Doch der Weg zum Titel führt wie immer in den vergangenen fünf Jahren nur über den FC Liverpool.

Neutral wie Säure auf Base

In den Jahren 2005 und 2007 gewann Liverpool jeweils die Halbfinals gegen Chelsea. 2006 trennte man sich in der Gruppenphase jeweils 0:0. 2008 setzte sich dann erstmals Chelsea durch, scheiterte dann aber im Finale an Manchester United. Mit je zwei Erfolgen und Niederlagen bei vier Remis auf beiden Seiten und 5:5 Toren ist die Bilanz dieser jüngsten Europokal-Duelle in etwa so ausgeglichen, wie ein Armdrückwettbewerb der Klitschko-Brüder. Nichts scheint mehr zu gehen zwischen den beiden Mannschaften, die vor allem in ihren Zweikämpfen auf europäischer Bühnen nur selten etwas riskieren. Für den FC Liverpool geht es diesmal auch ums Prestige. Gerade die Halbfinalniederlage gegen Chelsea im letzten Jahr ärgert den Perfektionisten Benitez bis heute. Die Statistik der jüngeren Vergangenheit spricht deutlich für die »Reds«. Im Oktober beendete Liverpool mit einem 1:0 Chelseas sagenhaften Heimrekord von 86 Spielen ohne Niederlage in Englands Elite-Liga. Beim Rückspiel im Januar siegte Liverpool an der Anfield Road erneut und leitete damit den Sturz von Chelsea Trainer Scolari ein. Dazu kommt der beeindruckende 4:0 Sieg im Achtelfinale gegen Real Madrid, sowie das 4:1 im Ligaspiel gegen Manchester United. Der FC Liverpool ist also in der Favoritenrolle. Und dennoch schreit vor der heutigen Begegnung alles nach einem Spiel, bei dem sich beide Mannschaft neutralisieren werden, als wären sie Säure und Base. Die Systeme sind bekannt, die Spieler kennen sich in- und auswendig, bis auf wenige Ausnahmen sind sogar die Aufstellungen identisch mit denen der Halbfinals im vergangenen Jahr. Auch Benitez erwartet wenig Neues: »Chelsea spielt zur Zeit sehr gut. Warum sollten sie also etwas ändern?«  Heute Abend treffen sich also an der Anfield Road mal wieder die beiden großen Bekannten des europäischen Spitzenfußballs: Die »Reds« gegen die »Blues«.
Für Benitez wird es ganz bestimmt nicht das letzte Duell mit Chelsea auf der europäischen Bühnen sein. Er verlängerte jüngst seinen Vertrag bis 2014. Ob Hiddink aber beim nächsten Mal noch auf dem notorisch wackeligen Chelsea Trainerstuhl sitzt, hängt zwangsläufig auch mit dem heutigen Treffen zusammen.