Das erstaunliche Comeback des FC Valencia

Ramschladen im Entstehen

Der FC Valencia ist eine Dauerstimulation für die Genussrezeptoren. Mit neuem Personal und schnellem Konterfußball mischt der Traditionsklub die Primera Division auf. 

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Die Liste der Dinge, über die sich Marcelino Garcia Toral, kurz Marcelino, hätte freuen können, war lang. Da wäre die Leichtigkeit mit der sein FC Valencia den Champions-League-Teilnehmer FC Sevilla mit 4:0 vom Platz gefegt hatte, das Traumtor von Goncalo Guedes oder das Festsetzen auf dem zweiten Tabellenplatz der Primera Division.

Aber der Trainer freute sich eigentlich nur darüber, dass der Abwehrverbund dieses Mal gehalten hatte und das am Ende kein Gegentor stand. Die meisten anderen Dinge ließ er unerwähnt.

Eine Kampfansage

So weit ist es schon wieder, dass man wählerisch sein kann. Vielleicht wollte Marcelino aber auch nur verhindern, dass sich so mancher im chronisch aufgeregten Umfeld an den Erfolgsmeldungen überfrisst. Genügend Nahrhaftes servieren seine Spieler ja gerade für eine zünftige Völlerei nach zwei Jahren Hungersnot. 

Marcelino sagt, seine Mannschaft »ist gerade erst im Entstehen«. Das klingt wie eine Kampfansage. Valencia ist die positive Überraschung der Saison in Spanien und eine ständige Stimulation für die Genussrezeptoren. Bereits 25 Tore haben los Ches, so Valencias Rufname, geschossen. Nur der FC Barcelona kommt auf mehr, aber das wird als nicht besonders wichtig erachtet.

Erwartet hatte niemand etwas

Die Fans in Spanien haben sich längst damit abgefunden, dass Barcelona und Real Madrid in ihrer eigenen Liga spielen, egal welche Statistik gerade herangezogen wird. Die Zuschauer im Mestalla sind auch viel zu sehr damit beschäftigt, ihrer Mannschaft zu huldigen, als dass sie sich mit den Zahlen anderer beschäftigen könnten. Am Sonnabend gab es stehende Ovationen, das hat man in Valencia lange nicht mehr gesehen und gehört. 

Die Liebesbekundungen fallen so leidenschaftlich aus, weil sie so unerwartet kommen. Wie einst das Hochwasser des Turia bricht dieser zweite Platz über die Stadt und ihre Menschen herein. Erwartet hatte niemand etwas nach den letzten beiden Spielzeiten, die zu den schlechtesten der jüngeren Vereinsgeschichte gehören.

In Valencia ging es zu wie bei Trump

Vergangene Saison stand der einst ruhmreiche Klub, Meister 2002 und 2004, Uefa-Cup-Sieger 2005 und Finalteilnehmer der Champions League 2000 und 2001 zeitweise  auf einem Abstiegsplatz. Drei Trainer wurden verschlissen, Spieler kamen und gingen. Heuern und feuern. Bei Valencia ging es zu wie im Mitarbeiterkreis von Donald Trump. 

Nur das Valencias Trump auf den Namen Peter Lim hört, schwerreicher Unternehmer aus Asien ist und von Fußball an sich keinen Schimmer hat. Bei seinen Entscheidungen hörte Lim meist auf einen Mann, der als einer der mächtigsten im Geschäft gilt. Jorge Mendes vom Namen, Spielerberater von Beruf.

Nur hatte der eher die Mehrung des eigenen Kapitals im Sinn als das Wohlergehen von Lims Spielzeug Valencia. So geschah es, dass die Mannschaft zum Liegesofa für bewegungsunmotivierte, überbezahlte Profis verkam.