Das Dortmunder Einlassproblem

»Auf dem Boden lagen Leute«

An der Endstation angekommen, legen die Union-Fans ihr letztes Wegstück, teils unter dem Geleitschutz der Polizei, zurück. Sie laufen vom Bahnhof die Strobelallee entlang bis sich hinter der Roten Erde links der Stadionvorplatz öffnet. Die Prozedur Zug, U-Bahn, Marsch wiederholt sich bis wirklich jeder am Stadion ist. Dort müssen die Fans durch eine Vereinzelungsanlage in den Gästeeingang.

Diese Vereinzelungsanlage wurde errichtet, um Fans genauer kontrollieren zu können. Sie steht nicht zum ersten Mal in Dortmund. Sie ist sichtgeschützt, und die Kontrollen dauern entsprechen länger. Auch weil immer mal wieder Pyrotechnik gefunden wird, erklärt die Dortmunder Polizei, die nach eigenen Angaben hier nur noch unterstützend eingreift. Sie flankieren die Leibesvisitationen. Der Ausrichter übernimmt hier die Kontrolle.

Verletzte durch Pfefferstray

Hinter der Vereinzelungsanlage und den Drehkreuzen geht es endlich ins Stadion, davor stauen sich die Fans über den gesamten Vorplatz, drängen teils seitlich auf die Eingänge zu. Der Anpfiff rückt näher. Die Eingangstore werden geschlossen, der Anstoß um 15 Minuten verschoben. Der BVB vermeldet auf Twitter einen »versuchten Eingangssturm mit Polizeieinsatz.« Dort kommt es zu den 15 verletzten Fans durch den Einsatz von Pfefferspray.

»Am Bahnhof war alles gut organisiert. Bis hin zum Stadion«, sagt Karsten Fuhrken, Union-Fan und Geschäftsführer von The Merch Republic. »Vorm Stadion sind wir auf ein kleines Viereck zugelaufen. Auf einer Seite hatte es drei Drehkreuze, auf der anderen Seite waren es vier. Es gab keine weitere Sicherheitslinie, um den Druck zu nehmen.«

»Auf dem Boden lagen Leute«

Durch diese sieben Drehkreuze wird ein Großteil der Union-Fans in die Vereinzelungsanlage geschleust. Es dauert. »Wie das beim Fußball so ist. Die Menschen wollen ins Stadion und schieben. Durch die Drehkreuze konnte man nicht rein. Dann wurde der Druck auf den Heras-Zaun zu groß. Er ist umgefallen«, erzählt Fuhrken, und dann von seiner Angst in dem Moment, in dem die Menschen über den gefallenen Zaun in das Viereck »reingepresst« werden. »Auf dem Boden lagen Leute, die gestürzt sind. Die Ordner sind raus aus dem Viereck. Die Stadiontore wurde geschlossen.«

Fuhrken sagt, er habe sich nicht getraut, einem der Gestürzten aufzuhelfen. Er habe sich schützen wollen. Im Viereck wird es immer voller. Die Polizei habe Pfefferspray genutzt, sagt er und schildert, wie er gegen einen weiteren Zaun gedrückt wurde. Auf der anderen Seite hätten ihm Polizisten klar gemacht, dass es dort nicht weitergehe. Im Hintergrund fahren drohend Wasserwerfer auf. »Man ist in eine Falle getreten. Einige Leute haben von innen die Drehkreuze geöffnet. Mehr Menschen kamen hinein. Die Stadiontore waren weiter zu.«