Das volle Programm zur WM in Russland
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Das bedeutet der englische Sieg

Kane das möglich sein!

2018 ist das Jahr der Überraschungen: Der HSV steigt ab, Deutschland scheidet in der Gruppenphase einer WM aus und England gewinnt ein Elfmeterschießen. Was kommt als Nächstes?

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In den vergangenen Monaten klagten Fans immer wieder über Ermüdungserscheinungen und eine gewisse Übersättigung am Fußball. Jedes Jahr dieselben Meister, jeden Monat dieselben Trainerwechsel, jede Woche dieselben Floskeln in Field-Interviews. Der Fußball schien auf seinem Weg zur Perfektion zu vergessen, dass das Spiel einst durch seine Spontanität lebte. Durch überraschende Momente und irre Wendungen.

Dieses Jahr allerdings gibt es wenig Grund zur Klage. Natürlich, der FC Bayern gewann zum circa zweihundertsten Mal die Bundesliga, Real Madrid holte wieder die Champions League. Aber der Fußball erzählte auch neue Geschichten, und einige davon gehen sogar als Wunder durch.

Eine Geschichte des Scheiterns

Der HSV zum Beispiel stieg das erste Mal aus der Bundesliga ab, dabei konnte man in den vergangenen Jahren den Eindruck gewinnen, dass dies, egal wie schlecht die Mannschaft spielt, nie passieren wird. Dann schied die DFB-Elf, der amtierende Weltmeister, zum ersten Mal in der Vorrunde einer WM aus. In einer Gruppe mit Südkorea, Schweden und Mexiko. Das größte Wunder aber ereignete sich am Dienstagabend im Moskauer Spartak-Stadion: England gewann ein K.o.-Spiel bei einer WM im Elfmeterschießen.

Die jüngere Geschichte der englischen Nationalmannschaft ist vor allem eine Geschichte des Scheiterns im letzten Moment. Kein Team hat bei großen Turnieren eine schlechtere Bilanz im Elfmeterschießen – England trat siebenmal an, gewann aber nur ein Mal (im Viertelfinale der EM 1996 gegen Spanien). Besonders bitter war die Halbfinal-Niederlage gegen Deutschland bei der EM 1996 im eigenen Land.

Im Viertelfinal gerade wegen des Trainers

In der Verlängerung rutschte Paul Gascoigne vor dem leeren Tor an einer Hereingabe von Alan Shearer vorbei. Und dann folgte, wie so oft, die Demütigung vom Punkt. Die Angst der Schützen beim Elfmeter konnte man bis unters Stadiondach riechen. Einer von ihnen hieß Gareth Southgate. Er war der sechste Schütze, der Ersatzmann. Er verschoss.

Viele haben vor der diesjährigen WM in Russland natürlich gewitzelt, dass England mit dem Trainer Gareth Southgate spätestens beim ersten Elfmeterschießen rausfliegen würde. Die Wahrheit ist: Gerade wegen Southgate stehen die Engländer nun im Viertelfinale. Schon in der Vorrunde konnte man im Spiel gegen Panama staunen, wie souverän Harry Kane seine Elfmeter verwandelte. Zweimal mit voller Wucht ins linke obere Eck. Okay, war nur Panama, unkten einige. Aber diese Schüsse hätte kein Torhüter der Welt pariert.

Wie ein Makler an der Wallstreet

Gegen Kolumbien verwandelte Kane in der regulären Spielzeit erneut gekonnt, diesmal direkt in die Mitte. England spielte während der 90 Minuten keinen Zauberfußball, aber die Spieler zeigten eine starke Präsenz. Bis die Schlussphase hereinbrach, bis das große englische Flattern begann, eine Ecke, ein Kopfball, 1:1. Kennt man ja.

Vor dem Elfmeterschießen schien die Sache also klar: Wie sollten diese nervösen Spieler hier gewinnen? Wer vertraute ihnen noch? Einer auf jeden Fall. Ihr Trainer. Gareth Southgate. Er stand dort unten, Weste, Krawatte, blaues Hemd, ordentlich aufgekratzt, bisschen verschwitzt, wie ein Makler an der Wallstreet, der gerade ein paar Millionen Miese gemacht hatte, aber immer noch den Glauben besaß, dass alles sich in ein paar Minuten zum Guten wenden wird.