Das Bayern-Spiel in der Analyse

Krise oder keine Krise? Das ist hier die Frage!

Himmelherrgott nochmal! Die Bayern beenden ihr drittes Pflichtspiel in Folge ohne Sieg. Wie erkämpfte sich Eintracht Frankfurt das 2:2? Die 11Freunde-Analyse auf Antwortsuche.

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In hitzigen Zeiten wie diesen ist es schwer, sich zurechtzufinden. Jede Woche gibt es einen neuen Skandal, eine neue Krise. Stürmer X ist seit 200 Minuten ohne Tor – Stürmerkrise. Mannschaft Y hat seit zwei Jahren nicht mehr an einem Sonntagnachmittag gewonnen – Sonntagskrise. Die Grashalme um den Mittelkreis sind etwas bräunlich – Rasenkrise.

Die Bayern haben seit drei Pflichtspielen nicht mehr gewonnen – Lederhosenkrise? Nach all den Erfolgen der vergangenen Jahre fällt es schwer, die Bayern in einem rechten Licht zu bewerten. Schwächeln die Bayern? Oder sind sie einfach, um die Pep'sche Formulierung zu nutzen, von supersupersuper auf normalsuper zusammengeschrumpft? Betrachten wir die Bayern ganz nüchtern anhand des 2:2 gegen Eintracht Frankfurt. Was lief schief?

4-3-3 gegen flexible Fünferkette

Carlo Ancelotti ist kein Trainer, der seine Formation andauernd wechselt wie Pep Guardiola. Auch gegen Eintracht Frankfurt blieb er seinem 4-3-3-System treu. Erneut rotierte er kräftig, wodurch u.a. Thomas Müller in den Sturm rutschte.

Eintracht Frankfurts Trainer Nico Kovac hielt den Bayern eine flexible Fünferkette entgegen. Auf dem Papier agierten die Frankfurter mit einem 5-3-2. In der Praxis war diese Formation selten zu erkennen, da Frankfurt sich eng an den Gegenspielern orientierte. Die Frankfurter Abwehrspieler verfolgten Münchens Stürmer und schossen dabei häufig aus der eigenen Abwehrkette. Frankfurt schaffte damit in letzter Linie enge Zuordnungen.

Gegen diese Manndeckung taten sich die Bayern schwer. Die Außenstürmer sollen unter Ancelotti in die Mitte ziehen und den Raum zwischen den gegnerischen Linien besetzen. Durch Frankfurts rigide Deckung wurden sie aber praktisch nie anspielbar. Die Bayern waren, wie man auf neudeutsch so schön sagt, ein „broken team“. Die vorderen Akteure waren von den Abwehrspielern abgeschnitten, es gab keine Verbindungswege zwischen Abwehr und Angriff. Da Robert Lewandowski auf der Bank saß, fehlte den Bayern zudem die Möglichkeit, notfalls mit langen Bällen auf den Stürmer zu operieren. Thomas Müller war im Angriff der falsche Mann, um diese langen Bälle zu halten.

Keine Impulse von der Bank

Das Problem der Bayern aktuell: Wenn der Gegner eine gute Taktik fährt, tun sie sich schwer, darauf zu reagieren. Pep Guardiola machte die Mannschaft stark abhängig von seinen Taktikspielereien, weil er immer wieder taktisch umstellte und dabei hauptsächlich auf sein eigenes Geschick vertraute. Ancelotti stellt hingegen kaum bis gar nicht im Verlaufe einer Partie um – und verpasst damit die Chance, einen gut eingestellten Gegner vor eine neue Herausforderung zu stellen.