Das Amateurspiel meines Lebens (3)

Bud Spencer gegen Terrence Hill

Ich stand hinter einem der beiden Tore und beobachtete den mäßig talentierten Keeper der Gastgeber bei der Arbeit, als es fernab des eigentlichen Geschehens zu einem Scharmützel kam. An der rechten Seitenlinie waren offenbar mehrere Menschen aneinandergeraten, nicht alle von ihnen trugen Trikots. Innerhalb von Sekunden stürmten sämtliche 22 Spieler vom Platz und lieferten sich – unter reger Beteiligung der umstehenden Zuschauer – eine wüste Massenschlägerei.

Zurück blieben der verdatterte Schiri, und ich hinterm Tor. Während der Referee auf einen ausreichenden Sicherheitsabstand achtete, näherte ich mich vorsichtig dem Epizentrum des Geschehens. Die Schlägerei war noch immer im vollen Gange, die volle Bud-Spencer-und-Terence-Hill-Nummer. Ich sah Frauen Greise ohrfeigen (und umgekehrt), Kinder weinten, Blut floss. So ging das bestimmt zehn Minuten, dann kam die Polizei.

Alles wegen der Kinder

Die Rekonstruktion der Ereignisse fiel im Nachhinein gar nicht so leicht. Aber was die Schutzleute dem ganzen Geschrei und Gekeife entnehmen konnten, war ungefähr dies: Offenbar hatte ein nassforsches spanisches Kind am Spielfeldrand den dicken Sohn des Wirtes der Häverstädter Vereinskneipe von seinem Spielzeugtraktor geschubst. Als die verbale Auseinandersetzung der Mütter wegen der vorhandenen Sprachbarriere zu nichts führte, rutschte einer der Glucken die Hand aus, was auf dem Platz nicht unbemerkt blieb und die Außenbahnspieler auf den Plan rief, deren Mitspieler sich umgehend solidarisierten. Und so fort.

Als ich wieder nach Hause kam, fragte ich meine Eltern schnippisch, ob sie das mit dem Sozialen Brennpunkt wirklich korrekt eingeschätzt hätten. Sie sahen mich verständnislos an, aber am nächsten Tag lasen sie davon in der Zeitung. Kurz darauf später schloss ich mich, mit einem zunächst klammen Gefühl, der Spielvereinigung Bölhorst/Häverstädt an, aber ein Vorfall wie jener hat sich nie mehr wiederholt. Die Fünfte des FC Bad Oeynhausen hat sich bald danach aufgelöst und der dicke Junge auf dem Trecker blieb lieber daheim.