Am 8. Oktober 2017 auch bei deinem Verein
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HanseMerkur

Das Amateurspiel meines Lebens (3)

Das Traktor-Inferno

Raus aus dem Sozialen Brennpunkt, wollten die Eltern unseres Autors. Doch als dieser auf dem Fußballplatz seiner neuen Heimat, dem glorreichen SV Bölhorst-Häverstädt, angelangte, war die erste Massenschlägerei schon im Gange.

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Dass ich überhaupt zur SV Bölhorst-Häverstädt kam, lag an einem Missverständnis, beziehungsweise: am schlechten Timing meiner Eltern. Bis Mitte der siebziger Jahre wohnten wir in Minden in einer dieser klassischen Siedlungen des Sozialen Wohnungsbaus, dritter Stock rechts, 64 Quadratmeter, geteiltes Zimmer für meine Schwester und mich. Weil sich die zuerst harmlose Siedlung nach und nach zum Sozialen Brennpunkt entwickelte, entschlossen sich meine Eltern, in einem beschaulichen Vorort ein Haus zu bauen – leider zu einem Zeitpunkt, als es in Zollern, so hieß die Sozialsiedlung, gerade spannend wurde.

Dort saß nämlich ein Jugendtrainer von Minden 05, dem damals größten und wichtigsten Verein der Stadt, auf seinem Balkon und beobachtete, wie sich ein kaum zehn Jahre alter bebrillter Junge unerschrocken nach jedem Ball warf. Der Mann wurde bei meinen Eltern vorstellig und bot an, mich zu seinem Klub zu holen. Mein Vater aber sagte: »Wir ziehen im Sommer nach Häverstädt. Dann kann der Junge besser da in’ Verein.«

Stichwort: Not gegen Elend

Die SV Bölhorst-Häverstädt, kurz SVBH, war damals gerade dabei, eine Jugendabteilung aufzubauen, aber bis zum Start sollte es noch ein paar Wochen dauern. Weil ich mich nach dem Umzug in der noch etwas aseptischen Vorortsiedlung langweilte, ging ich an einem Sonntag im Spätsommer zum Sportplatz, um auf meinem zukünftigen Vereinsgelände mal nach dem Rechten zu sehen.

Als ich am Platz eintraf, lief gerade ein Spiel der Zweiten Herren, Kreisliga C. Der Gegner hieß FC Bad Oeynhausen V, ein Team, das – wie ich später erfuhr – ausschließlich aus Spaniern bestand. Das Spiel war so, wie ein Kreisliga-C-Spiel zu sein hat, Stichwort: Not gegen Elend. Übliches Sonntagmittagsgegurke, zumindest solange, bis Mitte der zweiten Halbzeit von einer Sekunde zu nächsten das Inferno losbrach.