Das 11FREUNDE Wörterbuch: »Kreisligatrainer-Deutsch/Deutsch-Kreisligatrainer«

»Gönn Dir einen!«

Zur Mannschaft: »Ihr müsst verschieben« (brüllend)
Übersetzung: Keine Ahnung was das heißt. Klingt aber schlau, ein bisschen guardiolamäßig. Ich würde bei unseren Spielern ja auch gerne so schicke Anzüge tragen wie der Spanier, aber auf dieser matschigen Kuhwiese ist das Ding ja sofort auf alle Zeiten zugesaut. Was guckt ihr eigentlich alle so blöd in meine Richtung, holt euch lieber endlich den Scheißball vom Gegner. Egal wie!

In der Schlussphase: »Gönn Dir einen!«
Übersetzung: Bevor Du Anti-Fußballer wieder den Ball verstolperst, hau ihn lieber weg. Wenn es irgendwie geht, in Richtung Tor. Meinetwegen auch in das Maisfeld dahinter. Oder in das Gesicht des Verteidigers. Egal, Hauptsache Du verlierst jetzt nicht den Ball. Nein, nicht verlieren. Lauf hinterher. Schneller. Hau ihn um. Mist. Torwart, rauskommen! Es ist zum Heulen.

Nach dem Anschlusstreffer zum 1:6: »Jetzt haben wir sie da, wo wir sie haben wollten.«
Übersetzung: Denkt an die großen Fußballwunder, Jungs. Bayern-Manchester 1999. Liverpool-Milan 2005. Oder das Wunder von der Weser 1987. Neubarth, Sauer, Ordenewitz, Burgsmüller. Diese Männer haben Geschichte geschrieben, obwohl sie auch nur unwesentlich bessere Fußballer waren als ihr. Weil sie an sich geglaubt haben. Und das ist jetzt alles, was euch bleibt: Der Glaube an euch selbst. Guckt hin, der gegnerische Stürmer lacht euch aus. Der Schiri hat schon gefragt, ober er nach 75. Minuten abpfeifen soll. Aus Mitleid. Ich habe: »Ja, bitte!« gewinselt – und da hat auch er hämisch gelacht. Was soll ich also noch machen außer möglichst laut irgendetwas zu brüllen, was von eurer unterirdischen Leistung ablenkt und mich zum Gespött der Leute macht. Aber wenigstens denken die Leute jetzt, ist sei ein Motivator von Weltrang. Ein Kreisliga-Klopp. Der Mourinho des kleinen Mannes. Aaaaah, das tut gut.

Nach einem Foul: »Er spielt doch nur den Ball, Schiri«
Übersetzung: Klar, da war auch das Sprunggelenk noch dazwischen, aber schau Dir meinen Jungen doch an. Das ist ein richtiger Hirte und wir sind in der 80. Minute. Der pumpt, der ist fertig, der hat seinen Körper nicht mehr unter Kontrolle. Wenn er ihn überhaupt jemals unter Kontrolle hatte. Also, drück ein Auge zu. Ich drücke derweil beide Daumen, dass er in der Schlussphase nicht noch jemandem bei einem Pressschlag das Schien- und Wadenbein durchtritt.Deal?

Nach einer Rudelbildung in der Schlussphase: »Leute, wir müssen doch morgen alle arbeiten.«
Übersetzung: Außer mir, denn dieser dämliche Mäzen bläst mir jeden Monat einen Tausi aufs Konto. Nur damit ich diesen Hühnerhaufen zwei Mal die Woche über den Platz scheuche und so tue, als wüsste ich was Pressing, hohes Verteidigen und eine Viererkette ist. Dabei weiß ich nicht mal wie ich an diesen Job gekommen bin.

Zum Lokalreporter: »Das ist bitter. Da machst Du über 90 Minuten das Spiel, fängst dir acht Konter und verlierst.«
Übersetzung: 1:8, das klingt natürlich auf den ersten Blick heftig. Und eigentlich waren wir auch chancenlos. Aber der gegnerische Trainer ist ein Schweinehund. Der hat mit vor zwölf Jahren auf dem Schützenfest mal einen Rum-Cola vom Tablett geklaut, die Sau. Dem gönne ich einfach nicht, dass er morgen beim Frühstück in eurem Drecksblatt liest, wie ich seine Mannschaft auch noch lobe. Eher verfalle ich blitzartig zu Staub. Außerdem: Ansätze waren bei uns schon vorhanden. Ich erinnere mich da einen Abstoß aus der zweiten Halbzeit, der kam beim Mitspieler an. Da erkennt man klar meine Handschrift.

Zum Abschied: »Jungs, Dienstag machen wir dann vor dem Training eine kleine Nachbesprechung«
Übersetzung: Schon mal was von Cooper-Test gehört? Euch Versager werde ich so lange um den Platz schicken, bis euch der Teer aus den Lungenflügeln tropft. Wenn ihr meinen revolutionären Ansatz des Fußballs schon nicht auf dem Rasen umsetzen könnt, will ich euch leiden sehen. Runde für Runde. Liegestütz für Liegestütz. Ihr werdet euch wünschen, dass eure Eltern euch als Steppke zum Voltigieren gebracht hätten, statt auf den nächstbesten Bolzplatz. Aber jetzt ist es zu spät. Ich mach euch lang. Ich mach euch fertig. Ach ne, ich kann am Dienstag ja gar nicht. Da habe ich Skat-Abend mit meinen Kumpels. Ach, dann macht doch einfach, was ihr wollt.