Darmstadt verschenkt Dauerkarten

Ein positiver Zustand?

Also geht man in die Vollen: Hannover 96 und der VfB Stuttgart, die zwei Aufsteiger, lassen ihre Fans am meisten draufzahlen. Die teuerste Dauerkarte für das Niedersachsenstadion kostet über 26 Prozent mehr als letzte Saison. Die teuerste Dauerkarte gibt es hingegen beim HSV (806,70 Euro), der letzte Saison mal wieder mit Ach und Krach die Klasse hielt.

Gegenüber der »Hamburger Morgenpost« begründete der Verein die hohen Preise damit, dass jedes Ticket eine Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs beinhaltet. Halleluja. Oder in den Worten von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert: »Es gibt keine Anzeichen, dass sich dieser positive Zustand in absehbarer Zeit grundlegend ändern könnte.«
 
So geht es also weiter mit voll Karacho über die Autobahn der vermeintlichen Fußballträume. Bis die Protagonisten irgendwann alles gegen die Wand fahren. Oder wir in der Kurve stehen und auf etwas hinunterblicken, das in seinen schlechteren Momenten so aussieht, wie sich Unternehmer aus den USA oder Saudi-Arabien Fußball vorstellen. Und in seinen besseren Momenten wie etwas, das immerhin eine Sache imitiert, die wir früher mal Fußball nannten.
 
Eine Selbstverständlichkeit also? Dauerkarten verschenken in einem auf unbedingte Profitmaximierung ausgelegten Betrieb? Es wäre schön, wenn es so wäre. Und schön wäre es auch, wenn sich andere Unternehmen ein Beispiel an Darmstadt 98 nehmen würden und einkommensschwächeren Menschen Tickets gratis oder vergünstigt zur Verfügung stellen. Konzertveranstalter, Kinobetreiber, Freizeitparks, Fluggesellschaften, die Deutsche Bahn oder die »Berliner Verkehrsbetriebe«. Aber oft ist das natürlich schwer möglich, denn irgendwoher muss ja das Geld für Werbekampagnen herkommen, die sich »Weil wir dich lieben« nennen.