Darf RB nicht in der Champions League starten?

Wir müssen leider draußen bleiben!

Aufsteiger RB Leipzig ist auf dem Weg in internationale Wettbewerbe. Es könnte aber sein, dass der Klub trotzdem nicht in den Europapokal kommt. Denn er verstößt gegen Regeln der UEFA.

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Als RB Leipzig am siebten Spieltag dieser Saison in der Bundesliga zum Bayern-Jäger wurde, feierten die Zuschauer im Stadion vor allem Naby Keita. Zwei Tore hatte der Mittelfeldmann aus Guinea beim 3:1-Sieg über Werder Bremen erzielt und dabei überragend gespielt. Der 21-Jährige steht allerdings auch stellvertretend für die Probleme, die auf RB Leipzig zukommen, sollte sich die Mannschaft für einen internationalen Wettbewerb in der kommenden Saison qualifizieren. 

Als Keita im Sommer aus Salzburg zum Schwesterklub nach Leipzig kam, wurde eine Ablösesumme von 15 Millionen Euro kolportiert – vier Millionen über dem angenommenen Marktwert. Mit ihm kam der Brasilianer Bernardo für sechs Millionen Euro – fünf Millionen über Marktwert. Dass so viel Geld floss, hat mit den Financial-Fairplay-Bestimmungen der UEFA zu tun. Diese sollen seit 2011 nämlich dafür sorgen, dass kein Klub im Europapokal finanzielle Vorteile durch außergewöhnlich hohe Engagements einzelner Investoren oder Sponsoren genießt.

Salzburg profitiert, Leipzig bekommt Probleme 

Daher darf ein Europacup-Teilnehmer in den vorangegangenen drei Jahren durch Investoren oder andere Geldgeber insgesamt nicht mehr als 30 Millionen Euro bekommen haben, um ein Defizit auszugleichen. Um diese Regel zu erfüllen, fuhr der Red-Bull-Konzern nicht nur die Unterstützung für den Klub in Salzburg zurück, zugleich wurde durch Spielerverkäufe nach Leipzig die Einnahmenseite deutlich verbessert. Insgesamt 28 Millionen Euro flossen in den vergangenen 14 Monaten auf diesem Weg. Dem österreichischen Bundesligisten, der zurzeit in der Europa League vertreten ist, half das beim Financial Fairplay aus der Patsche. Den deutschen Bundesligisten stürzt es nun jedoch angesichts des unerwarteten sportlichen Höhenflugs noch tiefer in die Probleme. 

Wenn RB Leipzig sich für den Europapokal qualifizieren sollte, würde der Klub nämlich in der Zwickmühle stecken. Derzeit verstößt Leipzig ziemlich sicher gegen das Financial Fairplay, dazu braucht es angesichts von allein 100 Millionen Euro Investitionen in Transfers keine großen Rechenkünste. Und das könnte RB teuer zu stehen kommen, denn die UEFA meint es in dieser Frage ernst. So verdonnerte sie Manchester City und Paris Saint-Germain 2014 aus ähnlichen Gründen zu deutlich zweistelligen Millionenbußen und zu Kaderreduzierungen für die Königsklasse. Galatasaray Istanbul widerfuhr im März gar ein einjähriger Europacup-Ausschluss.

Red Bull - und sonst?

Was die Sache für Leipzig noch schwieriger macht: Die UEFA schreibt vor, dass ein einzelner Sponsor maximal für 30 Prozent der Gesamteinnahmen beim Sponsoring sorgen darf. In Leipzig aber kommen wohl rund 75 Prozent der jährlich rund 40 Millionen Euro Werbeeinnahmen von Red Bull, andere Unternehmen wie Ausstatter Nike oder VW zahlen zusammen gerade mal ein Viertel. 

Bei RB ist man daher hektisch bemüht, die externen Sponsoring­einnahmen zu vergrößern. Auf der Suche nach einer Fachkraft soll zwischenzeitlich Schalkes Vermarktungsvorstand Alexander Jobst in den Fokus gerückt sein. Doch Jobst, der die Marketing­einnahmen der Knappen in fünf Jahren von rund 60 auf jährlich über 90 Millionen Euro gesteigert hat, blieb in Gelsenkirchen. Daraufhin kam Michael Drotleff vom Ligapartner Krombacher nach Leipzig, weitere Verstärkungen fürs Marketing sollen folgen. Doch die Sponsorensuche wird schwierig bleiben: Überregionale Unternehmen scheuen RB, weil der Klub so stark polarisiert. Außerdem ist der »Partner« Red Bull in Leipzig omnipräsent und stellt alle anderen Werbeauftritte in den Schatten.