Darf eine Mannschaft nicht mehr hässlich spielen?

Ein bisschen mehr Respekt täte gut

Auch eine Liga tiefer gab es am vergangenen Wochenende ordentlich Kritik an der Spielweise eines spielerisch unterlegenen Gegners. In der Hauptrolle: RB Leipzig mit Ralf Rangnick, das sich nach dem Spiel stark über Gegner Paderborn aufregte.

Dabei lieferte das stark abstiegsbedrohte Paderborn gegen den Tabellenführer aus Leipzig eine richtig ordentliche Vorstellung ab. Am Ende gewannen die hochfavorisierten Leipziger glücklich durch ein Standard-Tor mit 1:0. Trotzdem schien der Ärger über die destruktive Spielweise des Gegners größer als die Freude über den schmeichelhaften Sieg.

Anti-Fußball von Paderborn?

»Am Ende bin ich froh, dass der Anti-Fußball von Paderborn nicht noch mit einem Punkt belohnt wurde«, wetterte ein sichtlich genervter Rangnick nach Abpfiff. Er wertete die Spielweise von Paderborn wohl als direkten Angriff auf den modernen Fußball. Und kategorisierte nebenbei noch, was man als Fußball definieren dürfe und was nicht.

Rangnick kritisierte die Manndeckung Paderborns, die er so »zuletzt vor 30 Jahren erlebt« habe. Emil Forsberg, schwedischer Nationalspieler, wurde vom jungen Paderborner Mirnes Pepic das ganze Spiel bearbeitet. »Der wäre mit Emil auch noch aufs Klo gegangen«, mutmaßte der RB-Trainer.

Dass Pepic, der in der Hinrunde noch in der Oberliga Westfalen kickte, eines seiner besten Spiele für Paderborn absolvierte und EM-Fahrer Forsberg in der 75. Minute entnervt ausgewechselt wurde, erwähnte Ralf Rangnick mit keiner einzigen Silbe. Auch dass die vier wertvollsten Spieler im Leipziger Kader mal eben den Gesamtwert des Paderborner Kaders übertreffen, scheint Rangnick wenig zu interessieren.

»Das strotzt vor Überheblichkeit«

Wie auch im Fall von Hamburg und Ingolstadt mochten die vermeintlich Schuldigen die Kritik an ihrer Spielweise nicht gänzlich unkommentiert lassen. Paderborns Präsident Wilfried Finke sagte: »Das strotzt vor Überheblichkeit. Rangnick soll sich um seine Mannschaft kümmern, nicht um die Spielweise des Gegners.«

Diese Worte verdeutlichen, dass weniger manchmal mehr sein kann. Den Leipzigern, die nächstes Jahr ziemlich sicher in der Bundesliga spielen werden, würde vor allem eine Sache guttun: Respekt. Schließlich erwartet RB Leipzig stets genau das von den gegnerischen Vereinen und deren Fans. 

Und auch der Hamburger SV täte gut daran, ein bisschen mehr Demut an den Bundesligaalltag zu legen, schließlich zeichneten sich seine Spiele in der jüngeren Vergangenheit auch eher selten durch spielerische Höhepunkte aus. Ein Blick auf die Tabelle könnte den Hamburgern eh zu denken geben – dort steht der FC Ingolstadt nämlich weiterhin vor dem HSV. Vielleicht sollten Drmic, Holtby und Co. auch wieder zurück zu alten Tugenden greifen, zurück zu einer gesunden Portion Ekel.