Dante am Ziel seiner Träume

Ein Auto brachte Dante fast um die Karriere

Dante wuchs in einem Armenviertel von Salvador de Bahia auf. Seine Mutter, eine Verkäuferin, brachte die Familie mit 150 Euro im Monat über die Runden. Mit 15 wurde der Jungkicker von einem Auto angefahren und verletzte sich am Knie. Sein Klub, der EC Galícia, ließ ihn wie eine heiße Kartoffel fallen. Für die medizinische Versorgung kam ein Onkel auf, der den vorübergehend Vereinslosen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus am Strand von Salvador trainierte.

Hans Meyer befeuerte die Karriereplanung

Als Dante mit 20 zum OSC Lille nach Europa aufbrach, führte er schon länger das Leben eines Vagabunden. In Brasilien war er von einem Klub zum nächsten verschoben worden. Als er in Frankreich von Verletzungen geplagt wurde und keine Einsätze bekam, flüchtete er in die belgische Provinz. Sein Bauchgefühl sagte ihm, dass er in Charleroi vielleicht nicht auf hohem Niveau spielen würde, aber wenigstens Gelegenheit hätte, sich zu präsentieren. »Ich war nie der Beste, nicht der Talentierteste,« schreibt Dante in seiner Biografie, »aber ich konnte mich quälen.«

Er sollte recht behalten. Sein Umweg über die Wallonie führte ihn schließlich zu Standard Lüttich, wo er in Coach Michel Preud’homme einen Förderer fand, der ihn für höhere Aufgaben schliff. Preud’homme schlüpfte in die Rolle des Ersatzvaters und pushte Dante mit einem vielfältigen pädagogischen Repertoire so sehr, dass bald darauf Gladbachs Coach Hans Meyer im Brasilianer das Allheilmittel für die Defensivschwächen der abstiegsbedrohten Borussia erkannte. Der Wechsel in die Bundesliga eröffnete Dante – mittlerweile 26 – nach unsteten Jahren erstmals die Möglichkeit, eine Karriereplanung vorzunehmen. Am Niederrhein avancierte er zur Symbolfigur der Unabsteigbarkeit und zum Trendsetter in Sachen Fan-Perücken.

Für die WM braucht er einen schiffstaudicken Geduldsfaden

Als 2012 der FC Bayern die festgeschriebene Ablöse von 4,7 Millionen Euro hinlegte, war er zunächst als Back-up für die intakte Abwehr des Rekordmeisters gedacht. Für Dante jedoch war der Transfer die letzte Chance, sich noch einen langgehegten Traum zu erfüllen: die Berufung in die Nationalelf. Denn erst in der Fußballweltstadt München würde er auch in den Fokus der Seleção-Verantwortlichen rücken. Der Rest ist Geschichte.

Mit seiner Berufung in den Kader ist Dante nun am Ziel seiner Träume. Auch wenn er beim Turnier in der Heimat wieder aus der altbekannten Rolle des Hinterbänklers operiert. Gut möglich, dass er Zaungast bleibt und nur den Ehrenpreis für die größte Stimmungskanone im Kader abräumt. In der Defensive hat Brasiliens Nationalcoach mit Dani Alves, Maicon, Marcelo, Thiago Silva, Maxwell und David Luiz die ganz große Auswahl. Während Dante in Deutschland längst zum Gesicht der WM aufgestiegen ist und er sich beim Einbiegen auf die Karrierezielgerade deshalb auch wacker durch die Reklame trommelt, braucht er sportlich einen schiffstaudicken Geduldsfaden. Aber das kennt er ja schon. »Das Leben ist schon schwer genug,« lautet sein Motto, „wir sollten es mit schlechter Laune nicht schwerer machen.“ Dante ist doch nicht blöd.