Dänemarks absurder Liga-Modus macht's möglich:

Droht SönderjyskE jetzt richtig Ärger?

Gespielt wird seitdem eine Hauptrunde, in der jeder der 14 Klubs jeweils zwei Mal auf seine 13 Konkurrenten trifft. Macht 26 Spieltage. Dann teilt sich das Feld: Die ersten sechs spielen in zehn weiteren Spieltagen eine Meisterrunde aus, wobei auch hier die Punkte aus der Hauptrunde mitgenommen werden. Die letzten acht Klubs hingegen spielen, wie bereits geschildert, in zwei Vierergruppen gegen den Abstieg. Der jeweils Dritt- und Viertplatzierte aus jeder Gruppe muss anschließend eine weitere Relegationsrunde mit den Topklubs der 2. Liga bestreiten.

So weit, so langatmig. Dass insbesondere der Relegations-Modus störanfällig sein könnte, hatten diverse Experten schon vor der Einführung ins Feld geführt. Doch Liga und Verband winkten lässig ab: Das seien nur theoretische Konstellationen. Und letztlich würde doch kein Verein absichtlich ein Superliga-Spiel abschenken, ließen die Funktionäre verlautbaren. Sie hätten es besser wissen sollen.

Verfahren gegen SönderjyskE?

Die finanzielle Situation der höchsten dänischen Spielklasse hat sich durch den neuen Modus auch nicht wirklich verbessert. Der ligaweite Zuschauerschnitt ging seither sogar in den Keller – er sank von über 7.000 auf rund 5.500 Besucher pro Partie. Kleinere Klubs wie Lyngby oder Helsingör spielen vor rund 2.000 Besuchern, operieren fast schon gewohnheitsmäßig an der Armutsgrenze und speisen ihre Spieler mit Sekretärinnen-Gehältern ab. Der aktuelle Tabellenführer Bröndby, trainiert vom ehemaligen Stuttgart-Coach Alexander Zorniger, fährt Jahr für Jahr bedrohlich hohe Verluste ein. Eine wirtschaftliche Erfolgsstory liest sich irgendwie anders.

Die dänischen Fußball-Bosse aber sind seit je her immun gegen Kritik. Nun wollen sie erst einmal ein Verfahren gegen SönderjyskE eröffnen. Jens Hjortskov, Chef der Superliga-Disziplinarkommission, erklärte im dänischen Fernsehen: »Wir haben natürlich den Verlauf des Spiels genau verfolgt – speziell die Schlussphase. Wir haben selbstverständlich auch notiert, welche Aussagen da von SönderjyskE gekommen sind. Auf Grundlage dieser Fakten haben wir beschlossen, Ermittlungen einzuleiten.« Im schlimmsten Fall droht dem Klub nun ein Punktabzug, so dass der vermeintlich komfortable Vorsprung schon vor dem Beginn der Relegations-Runde empfindlich zusammenschmelzen könnte.

Reif für den Schrott

Dabei waren es doch die Funktionäre, die solche Schummeleien durch ihre naive Relegations-Regelung überhaupt möglich gemacht haben. So gesehen hat die unschöne Affäre um SönderjyskEs vermeintlich rettende 1:2-Pleite auch etwas Gutes: Der derzeitige Relegations-Modus soll laut der Zeitung »Ekstrabladet« zeitnah verschrottet werden. Künftig werden wohl die letzten sechs oder acht Mannschaften in einer einzigen Gruppe gegen den Abstieg spielen. Darauf hätte man natürlich auch gleich kommen können.