Cristiano Ronaldo verlässt Madrid

Vom Alleinunterhalter zum Teamplayer

In seiner dritten Saison schoss Ronaldo Madrid mit 40 Toren zur Meisterschaft. Im Jahr darauf wurde er zum ersten Mal seit seinem Wechsel zu Real Weltfußballer. Endlich brachte CR7 den Glanz nach Madrid, den man sich durch seine Verpflichtung erhofft hatte. Doch ein Meistertitel war nicht genug. Weder für Madrid noch für Ronaldo. Der Portugiese begann unzufrieden zu werden, ging in den öffentlichen Disput mit den Fans und dem Verein. Er meinte, er würde zu wenig Wertschätzung erfahren. Durch die Erfolge des FC Barcelona kippte die ewige Messi/Ronaldo-Debatte klar in Richtung Lionel Messi. Für Ronaldo eine Beleidigung.

Nach einem weiteren erfolglosen Jahr unter José Mourinho kam Carlo Ancelotti und mit ihm der Erfolg. Unter dem Italiener wurde Ronaldo entlastet. Seine Aufgaben lagen nun vor allen Dingen im letzten Angriffsdrittel, Mourinho hatte fast jeden Spielzug über den Stürmer laufen lassen. Im Champions-League-Finale 2014 blieb Ronaldo zwar blass, fiel nur durch ein Elfmetertor und den anschließenden Jubel auf, doch dass Real im Endspiel stand, lag zu großen Teilen an seinen 17 Treffern und fünf Vorlagen. 22 Torbeteiligungen in 11 Spielen. Historisch.

Ein Vorbild für die Kollegen

Ronaldo stellte sich immer mehr in den Dienst der Mannschaft. Die Tricks wurden weniger, genauso wie die Schüsse aus 30 Metern. Die Entwicklung setzte sich auch unter Zinédine Zidane fort. 2016 schloss er bei über der Hälfte seiner Tore innerhalb des 5-Meterraums ab. Neben ihm durften sich auch immer wieder Toni Kroos und Gareth Bale an Freistößen versuchen, zuvor undenkbar. Der Portugiese konzentrierte sich zunehmend auf das, was er besser kann als jeder andere auf der Welt: Tore schießen.

Die mannschaftdienliche Spielweise wurde zum Vorbild für alle Kollegen. Das Starensemble hielt zusammen. Vor allen Dingen in der Champions League entwickelte Real einen unwiderstehlichen Kampfgeist. Gleichzeitig zog sich Ronaldo immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Im Dezember 2016 veröffentlichte Footbal Leaks seine Verträge mit Real Madrid und deckte die Strukturen auf, die er nutzte um Millionen am spanischen Staat vorbei zu schleusen. In der Folge fühlte er sich vom Verein im Stich gelassen, forderte zunächst mehr Loyalität und dann in jeder Transferperiode seinen Wechsel. Mehr Geld ließ diese Forderungen verstummen.

Der beste Spieler, den der Verein je hatte?

Doch in der vergangenen Saison kam es auch zum Bruch mit den Fans. Am 12. Spieltag hatte Ronaldo erst einen einzigen Treffer erzielt. Die Pfiffe gegen die Nummer 7 wurden lauter. Die Kritik in der Presse wurde heftiger. Der Tenor: Ronaldo hätte seinen Zenit lange überschritten. Zu dieser Zeit war Ronaldo zum fünften Mal Weltfußballer. Am Ende der Saison hatte er in 44 Spielen 44 Tore geschossen. 15 davon verhalfen Madrid zum Champions-League-Titel. Der letzte, den er mit Real Madrid gewinnen wird. In dem Interview nach dem Spiel deutete er schon auf seinen Abschied hin – es sei eine schöne Zeit bei Real gewesen, sagte er.

Seine neun Jahre in Madrid gehören zu den erfolgreichsten der Vereinsgeschichte. Ronaldo hat viele Rekorde gebrochen, am deutlichsten wird das, wenn man auf die ewige Torjägerliste schaut. Ronaldo steht mit seinen 450 Toren weit vor dem zweitplatzierten Raúl (323). Raúl brauchte 741 Spiele, Ronaldo 300 weniger. Wahrscheinlich geht nun der beste Spieler, den dieser Verein je hatte. Wahrscheinlich war sogar das Spektakel bei seiner Präsentation berechtigt.