Cristiano Ronaldo verlässt Madrid

Abschied als Legende

Neun Jahre lang war Cristiano Ronaldo der wichtigste Spieler bei Real Madrid. Nun verlässt er die Königlichen als Vereinslegende. Dabei sah es lange nicht so aus, als würde CR7 diesen Status erreichen.

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80.000 Menschen, der gesamte Rasen des Estadio Santiago Bernabéu eine Bühne. Drei schnelle Schritte aus dem Spielertunnel, ein Winken und das Stadion explodierte. »Für Real Madrid ist es eine Ehre, einen der besten Spieler aller Zeiten jetzt bei uns zu haben«, sagte Real-Präsident Florentino Pérez. Als Cristiano Ronaldo im Juli 2009 für 94 Millionen Euro von Manchester United nach Madrid wechselte, zu einer Zeit, als Summen wie diese noch für Aufsehen sorgten, war die Stimmung bei Real ausgelassen. Das Estadio Santiago Bernabéu empfing seinen neuen Superstar. So, wie es sich seitdem jeder Junge mit dem Wunsch Fußballer zu werden schon mindestens einmal erlaubt hat zu träumen. 

37.831 Minuten, 438 Spiele, 450 Tore, 150 Vorlagen. Kein Spieler aus der Geschichte von Real Madrid kann ansatzweise die Satistiken von Ronaldo erreichen. Vermutlich wird es nach ihm auch keiner mehr schaffen. Das Resultat: Zwei Pokalsiege, zwei Meisterschaften, drei Klubweltmeisterschaften und vier Champions-League-Titel. Cristiano Ronaldo hat den erfolgreichsten Verein der Welt nach zwölf Jahren des Wartens zurück an die europäische Spitze geführt. Durch die Drei Champions-League-Siege in Folge hat sich diese Mannschaft in die Liste der besten Mannschaften aller Zeiten eingetragen. Einen großen Anteil daran trägt Ronaldo.

Dabei sah es am Anfang nicht unbedingt so aus, als würde der Portugiese in die Fußstapfen anderer Vereinslegenden wie Zinédine Zidane, Ferenc Puskás oder Alfredo Di Stéfano treten. Spieler, die den Verein formten und die Legende des größten Klubs der Welt weiter fortschrieben. Der Grund, warum fast jeder Fußballer schwach wird, wenn Madrid anruft. 

Ronaldo, zum ersten Mal von den eigenen Fans ausgebuht

CR7, der in seinem ersten Jahr CR9 heißen musste, weil Raúl ein Jahr lang Ronaldos Lieblingsnummer als Geisel hielt, kam gemeinsam »mit den besten Spielern aus allen europäischen Top-Ligen« in Madrid an - das war der Plan von Pérez. Aus England kam Ronaldo mit Xabi Alonso im Gepäck, aus Italien kam Kaká, aus Frankreich Karim Benzema. Nur der FC Bayern spielte nicht mit und ließ Franck Ribéry nicht ziehen. Die zweite Auflage der Galácticos. Madrid wirkte unbesiegbar. 

Doch schon nach der ersten Saison war die Euphorie verflogen: Im Pokal verlor das Superstarensemble gegen den Drittligisten AD Alcorcón vor 7.000 Leuten mit 0:4. In der Champions League scheiterte Real an Lyon im Achtelfinale, die Meisterschaft holte sich der FC Barcelona. Die Stimmung war schlecht. Ronaldo wurde zum ersten Mal in seiner Karriere von den eigenen Fans ausgebuht. 

Auch die zweite Saison lief nicht gut. Zweiter Platz in La Liga, inklusive 0:5 Debakel im Clásico. Und auch in der Champions League scheiterte Madrid an Barça. Der Sieg im Pokalfinale durch ein Tor von Ronaldo konnte die Fans nicht glücklich machen. CR7 war angezählt. Nur ein Titel – der wertloseste von allen – in zwei Jahren. Zu wenig für den Mann, der sich für den besten Fußballer aller Zeiten hielt. In Madrid hieß es, die Mannschaft sei zu abhängig von Ronaldo, das Spiel zu leicht zu durchschauen. Seine unnötigen Tricks und die genervten Blicke in den Himmel, sobald es mal nicht lief, kamen beim Publikum nicht gut an. Die Presse sprach von einer Spaltung in der Mannschaft, zwischen Portugiesen und Spaniern. Doch dann begann Ronaldo zu zeigen, warum sein Selbstvertrauen und der Kult um seine Person nicht ganz unberechtigt sind.