Cristiano Ronaldo bekommt eigene Galaxie

Die Welt ist nicht genug

Früher bekamen Fußballer Pokale für ihre sportliche Leistung. Heute werden Helikopter-Landeplätze und Galaxien nach ihnen benannt. 

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Früher schienen Profifußballer zufrieden, wenn sie eine Meisterschaft gewannen oder Fans ihren Namen mit Edding auf ein Bettlaken schrieben und dieses dann am Zaun ihrer Kurve befestigten. »Hrubesch vor, noch ein Tor!« Manchmal, wenn die Spieler besonders gut am Ball waren, wurden Schuhe nach ihnen benannt, oder der Verein organisierte ein exklusive Autogrammstunde im örtlichen Autohaus. Und im Grunde war das vollkommen ausreichend.
 
Zumindest bis zum neuen Jahrtausend. Denn plötzlich war die Welt nicht mehr genug. Es gab erst Myspace, dann Facebook, schließlich Twitter und Instagram. Man fotografierte nun keine Landschaften mehr, sondern sich. Es ging um mein Haus, mein Boot, meinen Körper. Ego-Boosting galore. Aus guten Fußballern wurden Topfußballer, dann Stars, später Superstars und bald Megastars.

Etwas, das größer und gewaltiger ist als Fußball
 
Selbst jemand wie Johan Cruyff erkannte just nach der Jahrtausendwende, dass es nun nicht mehr ausreichte, fußballerisch gut zu sein und dafür einen schnöden Pokal oder eine Medaille zu bekommen. Es musste mehr sein. Etwas, das größer und gewaltiger ist als Fußball.
 
Als der Holländer im Jahr 2000 bei der Wahl zum »Spieler des Jahrhunderts« den zweiten Platz belegte, sagte er: »Das ist der Höhepunkt in meinem Fußballleben. Etwas Größeres ist nur, wenn eine Straße nach einem benannt wird.«
 
15 Jahre später wirkt selbst dieser Wunsch beinahe altbacken. Straßen haben sie mittlerweile alle. Diego Maradona, Toni Turek oder Heinz Flohe. Nach Helmut Haller ist ein Bahnhofsvorplatz benannt. Die Spieler tauchen in den Google-Suchergebnissen nunmehr nicht nur in der Rubrik »News«, sondern auch unter »Maps« auf. Für immer und ewig.
 
Beinahe täglich gründeten sich neue PR-Firmen, die mit hypergenialen Ideen die neuen Megastars hypermäßig formen wollten. Manchmal war es auch ganz egal, wie gut der Spieler war. Solange er auf einer Beliebtheitsskala im oberen Drittel rangierte, schien alles erlaubt.

»Rindfleischeintopf David James«
 
Ein russisches Unternehmen ehrte etwa vor fünf Jahren den mittelmäßig erfolgreichen Stürmer Andrey Arshavin mit der sogenannten »Arshavinka«, eine Luxus-Siedlung in St. Petersburg mit 20 bis 30 Anwesen, samt Helikopterlandeplatz.
 
Auch andernorts wurde aufgerüstet. Die  argentinische Bodega Valentin Bianchi benannte in Absprache mit Lionel Messi eine Weinsorte nach dem Barca-Spieler, in Bangkok gibt es im Restaurant eines gewissen Thawatchai Sriwatcharachai den »Rindfleischeintopf David James«.