Copa Libertadores: Wunder-Finalist Independiente

Spenden für die Erdbebenopfer

Es sind die klassischen Nebenwirkungen, die Erfolge von Underdogs mit sich bringen. Doch mit den Erfolgen stieg nicht nur das Interessen an ihren Spielern, sondern auch das Selbstbewusstsein des Klubs. 

»Wir haben gezeigt, dass der Erfolg gegen River Plate kein Zufall war«, sagt Trainer Repetto. Klub-Chef Michel Deller, übrigens ein Mann mit deutschen Wurzeln, pflichtet ihm bei: »Die Gegner dachten, Geld spielt eine größere Rolle als Können.« 

Ein ganzes Land gegen sich

Was er zu sagen meint: Wir können mehr, als sie zahlen können. Und auch die Spieler zeugen vom neuen Selbstbewußtsein, wie Top-Torschütze José Angulo belegt: »Völlig egal, wer die Tore schießt. Hauptsache wir holen die Copa!«

Nur eine Hürde noch müssen sie bis dahin nehmen: Atlético Nacional. Der Klub aus Kolumbien gilt selbst als Überraschungsteam, hat im Halbfinale den ruhmreichen FC Sao Paulo ausgeschaltet. Und somit dafür gesorgt, dass erstmals seit 25 Jahren weder ein Team aus Brasilien noch aus Argentinien im Finale der Copa steht.

Dafür haben sie nun ein komplettes Land gegen sich. Denn mit Independiente kann sich längst ganz Ecuador identifizieren. Das liegt neben dem sportlichen Erfolg an der Zusammenstellung des Kaders, an der über Jahre unaufgeregten, besonnenen Arbeit der Klubführung und daran, dass der Verein sich seiner Rolle als integrative Kraft mehr als bewußt ist.

Ewige Helden

Seit Anfang April ein Erdbeben Ecuador erschütterte, welches 650 Todesopfer forderte und Schäden in Millionenhöhe verursachte, spendet Independiente sämtliche Stadien-Einnahmen aus den Heimspielen der Copa Libertadores den Angehörigen der Opfer und dem Wiederaufbau.

Immer frei nach dem Motto des Klubs: »Höre nie auf, zu träumen.« Selbst in dunklen Stunden. Und so klingt es fast wie ein Versprechen, da Torhüter Librado Azcona sagt: »Der Traum geht weiter.«

Sollte er mit dem Titel enden, sind sie ewige Helden. Und Zauberer. Und viel mehr.