Copa Libertadores: Wunder-Finalist Independiente

Der Traum der Zauberer

Dass ein Verein aus Ecuador im Finale der Copa Libertadores steht, ist eine Überraschung. Dass es Independiente del Valle ist, gleicht einem Wunder.

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»Meine Jungs sind Helden«, findet Pablo Repetto. Sofern man grundsätzlich bereit dazu ist, einer Nebensächlichkeit wie Fußball so etwas wie Heldenstatus einzuräumen, muss man sagen: Er untertreibt.

Die Jungs sind Zauberer

Denn »seine Jungs« sind Zauberer. Und er ist ihr Lehrer: Pablo Repetto, Trainer von Independiente del Valle. Jenem Verein aus dem Speckgürtel der ecuadorianischen Hauptstadt Quito, der in der Nacht zu Donnerstag in sein erstes Copa Libertadores-Finale geht.

Und das ist nichts weiter als ein Fußball-Wunder. So groß wie der Aufstieg und Klassenerhalt von Darmstadt 98. So groß wie die Sensations-Meisterschaft von Leicester City. 

Argentinisches Vorbild

Es ist eines dieser Wunder, von denen es Jahr für Jahr heißt, sie werden immer seltener. Von denen es heißt, dass sie bald überhaupt nicht mehr möglich seien. Und doch bedeutet all das nur, dass die Märchen, die der Sport dann doch immer wieder schreibt, umso schöner funkeln. So wie das Märchen von Independiente del Valle.

Es beginnt am 1. März 1958 in Sangolquí, einem Vorort Quitos. Dort leben Jose Terán und seine Freunde, allesamt Anhänger des argentinischen Traditionsvereins Club Atlético Independiente. Dem Rekordsieger der Copa Libertadores.

Neues Wappen — endlich Erfolg

Ihm zu Ehren gründen sie ihren eigenen Klub. Einen Klub, der sein Vorbild nicht nur im Namen trägt; auch das rot-weiß gestreifte Wappen des Vereins ist weit mehr als eine Hommage an die große Leidenschaft aus Argentinien — es ist praktisch identisch. 

Nur der sportliche Erfolg lässt sich nicht so ohne Weiteres kopieren. Über Jahrzehnte dümpelt der Klub durch die Amateurklassen des Landes. Erst 2008 gelingt der Aufstieg in die zweite Liga. Da ist der Verein im zweiten Jahr mit neuem Wappen unterwegs: Weg von rot-weiß, hin zu schwarz-blau.

Und als hätte sich der Verein damit von seinem Vorbild emanzipiert, stellt sich seither Erfolg um Erfolg ein. 2010 gelingt der Aufstieg in die erste Liga Ecuadors, gefolgt von Platz drei im Jahr 2013. Seither scheiterte der Klub zunächst zweimal in der Qualifikation zur Copa Libertadores, ehe dieses Jahr der große Durchmarsch gelingt.