Comebacks im Fußball

Old Men In New Clubs

Die Meldung der Woche: Ronaldo, Kampfgewicht 95 Kilogramm, träumt von einem Comeback bei den Fort Lauderdale Strikers. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Fußballrentner zurückkommt.

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Udo Lattek
Als Borussia Dortmund im Frühjahr 2000 den mittlerweile 65-jährigen Udo Lattek zurückholte, staunten die meisten Fußballexperten nicht schlecht. »Kein Witz – Udo Lattek soll den BVB retten!«, titelte damals der »Spiegel«.
 
Lattek hatte zuletzt 1993 einen Verein trainiert – und dann auch noch den FC Schalke 04. Nun also der BVB, der nur einen Punkt vor den Abstiegsplätzen rangierte.
 
Der Nicht-Witz hatte eine wunderbare Pointe, denn die Mannschaft verlor nur eines der letzten fünf Spiele und blieb in der Liga. In der »Welt« resümierte Lattek nach Saisonende seine turbulenten Wochen:
 
»Manchmal habe ich fast euphorisch zu mir gesagt: ›Du alter Sack kannst es ja noch.‹ Ich habe gestaunt, welche Wirkung ich noch erzielte und welchen unglaublichen Stellenwert ich bei den Leuten in Dortmund habe.  Zum Beispiel brauchte ich nur zu sagen: ›Der Lehmann ist in Ordnung‹ oder ›Der Barbarez ist ein Riesenfußballer, lasst den in Ruhe‹ – schon haben die Fans aufgehört, ihre beiden Lieblings-Feindbilder unter den Borussia-Profis fertigzumachen.«
 
Für seinen Feuerwehreinsatz soll der Trainer-Rentner 500.000 Mark erhalten haben.

Matt Le Tissier
»Le God« schoss Tore wie andere spazieren gehen. Mit beinahe buddhistischer Ruhe marschierte er durch die Abwehrreihen und legte den Ball dann einfach ins Tor. Unvergessen sein 40-Meter-Lob gegen die Blackburn Rovers in der Saison 1995/96. Beim FC Southampton machte er 444 Spiele und wurde zur Ikone, in der englischen Nationalmannschaft kam er zwischen 1994 und 1998 nur auf acht Einsätze, und bis heute behaupten Experten, dass die »Three Lions« in dieser Zeit mindestens einen Titel geholt hätten, wäre Matt Le Tissier dabei gewesen.
 
Wie auch immer: 2002 beendete »Le God« seine Karriere in Southampton und zog zurück auf seine Heimatinsel Guernsey. Als seinem alten Klub, dem Guernsey FC, im harten Winter 2013 die Spieler ausgingen, schnürte er seine Schuhe erneut – in der neunten englischen Liga.
 
Er sei gut im Training, erzählte der 44-Jährige damals, schließlich habe er kürzlich erst einen Halbmarathon absolviert. Im ersten Spiel gegen Colliers Wood spielte er, nun ja, unauffällig. »Ich habe ja nur zehn Minuten gehabt, kaum Ballkontakte«, verteidigte sich Le Tissier. Einige Fans auf der Tribüne urteilten: »Genaugenommen hatte er vier Ballkontakte, die vier Ballverluste zur Folge hatten.« Doch letztendlich war das egal, Guernsey stieg am Ende in die achte Liga auf.
 
Uwe Seeler
Der grüne Fleck auf der blau-weiß-schwarzen Vita: HSV-Legende Uwe Seeler spielte sechs Jahre nach seinem Karriereende für den irischen Klub Cork Celtic.
 
Cork City? Uwe Seeler?
 
Die Geschichte geht so: Im Frühjahr 1978 trat Seelers neuer Arbeitgeber, Adidas, an den Stürmer mit der Bitte heran, ein Benefizspiel in Irland zu spielen. Genauer gesagt: er sollte für Cork Celtic gegen die Shamrock Rovers auflaufen. Seeler sagte zu, denn es hörte sich nach einem netten Spielchen an.
 
Doch als die Verteidiger mit offenen Sohlen in die Stürmer grätschten, dämmerte Seeler, dass ihn jemand hereingelegt hatte. Das hier war mitnichten ein Freundschaftsspiel, Seeler war in ein bitterernstes Ligaspiel hineingeraten – mit einer Gastspielgenehmigung, die er nie unterzeichnet hatte.
 
Seeler wäre aber nicht Seeler gewesen, wenn er den Kampf nicht angenommen hätte. Er schoss sogar zwei Tore für Cork. Eines stilecht per Fallrückzieher. Nach dem Spiel reiste »Uns Uwe« trotzdem schlecht gelaunt ab.