Chronik: Die Entwicklung der TV-Rechte im deutschen Fußball

Beckmann, immer wieder Beckmann

14. August 1992
Die neue Epoche beginnt erst am 14. August 1992 mit der ersten Ausstrahlung der Sendung »ran« auf Sat.1. ISPR, eine Kirch-Springer-Tochter, erwirbt für 700 Millionen DM die TV-Rechte für die kommenden fünf Jahre. Es beginnt die Zeit der Slow-Motions, Eckenstatistiken und Gewinnspiele. Die Kommerzialisierung erhält endgültig Einzug in die Bundesliga, Reinhold Beckmann moderiert in roter Jeansjacke.

Saison 2000/2001
Der Bezahlsender Premiere führt die Bundesliga-Konferenz ein. Alle 306 Spiele werden komplett übertragen. Einzelne Spiele wurden bereits seit 1991 bei Premiere ausgestrahlt. Am zweiten März 1991 gewann Eintracht Frankfurt 4:3 gegen den 1. FC Kaiserslautern und ging gleichzeitig als erstes Livespiel des Bezahlfernsehens in die Geschichte ein. Mittlerweile erreicht der Preis für die Übertragung der Bundesliga ihren vorläufigen Höhepunkt. 355 Millionen DM kostet allein die Übertragung der Saison 2000/2001.

Mai 2002
Im April 2002 platzt die Blase, die KirchMedia AG meldet ihre Insolvenz an. Die Unternehmensgruppe wird zerschlagen, Premiere entgeht knapp der eigenen Insolvenz. Für die Bundesliga hat die Kirch-Pleite weitreichende Konsequenzen. Erstmals seit der Einführung der Bundesliga sinken die TV-Gelder zur neuen Saison.

2. August 2003
Ab dem Jahr 2003 muss sich auch Sat.1 von der Berichterstattung der Bundesliga verabschieden. »ran« gehört von nun an der Vergangenheit an, die »Sportschau« erlebt ihre Auferstehung. Inhaltlich hat sich die »Sportschau« mittlerweile den Gegebenheiten angepasst und erinnert eher an das »ran«-Format, als an die sachliche Berichterstattung früherer Tage. Moderator Reinhold Beckmann frotzelt in der ersten Sendung: »Wenn Kahns Freundin zur Begrüßung den Kaiser busselt, sehen Sie das womöglich auch bei uns. Aber nicht zehnmal und in Super-Zeitlupe.«

9. Juli 2009
Nach einem dreijährigen Intermezzo, in dem Arena Premiere erstmals von der Live-Übertragung der Bundesliga ausbooten konnte, bekommt Premiere zur Saison 2007/2008 wieder einen Fuß in die Tür. Arena, eine Tochterfirma des Kabelnetzbetreibers unitymedia, kann ausgerechnet die Übertragung per Kabel nicht durchsetzen, da sich der Sender mit dem größten Konkurrenten Kabel Deutschland nicht auf eine Verbreitung einigen kann. Premiere übernimmt per Sublizenz die Übertragung und heißt ab sofort Sky.

17. April 2012
Am 17. April 2012 schließt die DFL den größten Vertrag in der Geschichte der Bundesliga ab. Sky und ARD sind bereit, pro Saison durchschnittlich 628 Millionen Euro für die Übertragungsrechte zu bezahlen. Die deutsche Telekom hatte bis zuletzt im Poker um die Rechte mitgeboten und somit ein Wettbieten ausgelöst. Der Betrag übertrifft selbst die Erwartungen der DFL-Verantwortlichen. Die Bundesliga holt mit diesem Vertrag im Vergleich zu den europäischen Topligen enorm auf: Die Vermarktung der englischen Premier League ist den Verantwortlichen 770 Millionen Euro wert. Es ist der vorläufige Höhepunkt in der medialen Kommerzialisierung des deutschen Klubfußballs.