Christoph Daum wird Trainer in Köln

Salto rückwärts

Hänneschen-Theater um Christoph Daum: Der 53-Jährige hat nach seiner `endgültigen´ Absage an den 1. FC Köln den Salto rückwärts vollzogen und übernimmt nun doch den Trainerposten. Nach dem Punktspiel gegen 1860 München (1:2) verkündete der Klub die Verpflichtung des Coaches, der bereits von 1986 bis 1990 Cheftraiern bei den Geißböcken gewesen war. Daum erhält einen Dreieinhalbjahres-Vertrag bis 30. Juni 2010 ohne Ausstiegsklausel. Der gesundheitlich angeschlagene Fußball-Lehrer, der sich einer Hals-OP hatte unterziehen müssen, wird somit sein Debüt am 4. Dezember im Heimspiel gegen den MSV Duisburg feiern. Er nimmt seine Arbeit offiziell nach dem Spiel bei der SpVgg Greuther Fürth (26. November) auf.

`Ich kam ins Grübeln, denn ich fühlte mich mit meiner ersten Entscheidung nicht wohl. Außerdem ist das Konzept, das der Klub mir vorlegte, hervorragend´, sagte Daum dem Kölner Express (Montag-Ausgabe): `Wir stehen von einer sehr schweren Aufgabe. Wir können die Ziele nur gemeinsam schaffen. Jetzt muss ein Ruck durch die Stadt gehen, damit wir den Aufstieg noch packen.´ Nach der Heimpleite gegen die Sechziger beträgt der Rückstand auf einen Aufstiegsplatz bereits acht Punkte. Der langjährige Daum-Assistent Roland Koch wird indes nicht vorübergehend einspringen. `Keine halben Sachen. Das Gespann Schaefer/Gehrke wird solange weitermachen, bis ich wieder fit bin. Und dann gehts mit ganzer Kraft an die Arbeit´, erklärte der neue FC-Trainer.

Rückkehr des verlorenen Sohnes

Vor dem richtungweisenden Duell gegen die `Löwen´ herrschte zunächst Unklarheit, ob der Traum von Daum für die Geißböcke doch noch Wirklichkeit und dieser tatsächlich als Nachfolger des glücklosen Schweizers Hanspeter Latour vorgestellt wird. Erst nach dem 1:2 gegen 1860 wurde die Rückkehr des `verlorenen Sohnes´ bestätigt. `Daum gehört zu den besten Fußball-Lehrern der Welt, er kann jeden Verein weiterbringen. Aber: Er hat einen Fehler gemacht. Ich bin allerdings der Überzeugung, dass man ihm eine zweite Chance geben muss. Doch diese zweite Chance muss man sich mit Glaubwürdigkeit erarbeiten. Das macht er im Augenblick nicht so ganz´, hatte zuvor DFB-Präsident Theo Zwanziger im DSF-Doppelpass erklärt.

Aber was war der Grund für die überraschende Wende im Fall Daum? Trotz lukrativer Offerten aus Moskau und Kiew soll die Familie den Fußball-Lehrer bedrängt haben, weiter in Köln zu bleiben. Der ehemalige Meister-Coach des VfB Stuttgart besitzt eine Villa im vornehmen Stadtteil Hahnwald. Seit seiner Kokain-Affäre 2000 hatte der Erfolgscoach ausschließlich im Ausland - bei Besiktas Istanbul, Austria Wien und Fenerbahce Istanbul - gearbeitet. Seine letzte Station in Deutschland war Bayer Leverkusen (1996 bis 2000). Am vergangenen Dienstag hatte Daum Manager Michael Meier in einem Vier-Augen-Gespräch noch mitgeteilt, dass er aus `gesundheitlichen Gründen´ für den Posten des FC-Coaches nicht zur Verfügung steht. Daum hatte sich auf Grund seiner Kokain-Affäre 2000 selbst um den Bundestrainerposten beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gebracht.

Hysterie in der Domstadt

Am Samstag deutete sich die überraschende Kehrtwende an. Weitere Vertragsverhandlungen wurden offenbar aufgenommen. Sein Jahressalär in Köln war zuletzt auf 2,5 Millionen Euro per annum taxiert worden. Overath könnte durch die Verpflichtung Daums einige Brisanz aus der Jahreshauptversammlung am kommenden Dienstag (21. November) nehmen. Der erste Bundesliga-Meister blieb in der laufenden Zweitliga-Saison deutlich hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Am Sonntag wurde die Mannschaft im Heimspiel gegen 1860 München wie schon in Freiburg vom Trainer-Interimsgespann Holger Gehrke/FrankSchaefer betreut. Noch am Tag der Trennung von Latour (9. November) hatte Meier bereits in einem Krankenhaus in Köln Kontakt zu Daum aufgenommen. Auf einer Internetseite (www.daumzumfc.de) trugen sich mehr als 17. 000 Fans ein, um sich für einstigen Meistertrainer auszusprechen. Der Name Daum hatte die Domstadt förmlich elektrisiert.Schweren Herzens entschied sich der Fußball-Lehrer dann am vergangenen Dienstag doch zur Absage, obwohl der Verein große finanzielle Anstrengungen angekündigt hatte, um Daum eine Perspektive beim Geißbock-Klub zu bieten. Am Samstag und Sonntag vollzog sich dann die erneute Wende.

Führt Daum den 1. FC Köln aus der Krise? Diskutiert mit - im Forum www.11freunde.de/forum/6/1163959401 !