Chile, Gastgeber der Copa America 2015

Nationalheld Marcelo Bielsa

Chile ist der David in einer Welt voller Goliaths. Abgesehen von Torhüter Claudio Bravo ist in der Startelf normalerweise kein Spieler größer als 1,80 Meter. Dafür ist »La Roja« eine Auswahl von Kampfzwergen, angeführt von Medel, Arsenals Alexis Sánchez und dem selbsternannten »Krieger« Arturo Vidal. Der Juventus-Profi, noch einer der Größeren im Team, steht mit seinem Spielstil stellvertretend für die ganze Mannschaft.

»Selbstmörderisches« Pressing

Aggressives Pressing in Verbindung mit unglaublich hohem Laufeinsatz bringt immer wieder den Rasen zum Brennen. Da spielt es keine Rolle, ob die Chilenen bei großer Hitze an der Copacabana oder bei niedrigem Sauerstoffgehalt auf dem Hochland Ecuadors antreten.

Der Pressingfußball von Bayer Leverkusen oder Borussia Dortmund wird schon als aufregend angesehen. Bei Partien von Chile braucht der Zuschauer zuweilen einen Sicherheitsgurt. Vidal und Co. sorgen für einen Orkan, wenn sie dem Ball hinterherjagen. Als »selbstmörderisch« bezeichnete Spanien-Trainer Vicente del Bosque einst diesen Stil. Bei der letzten WM hatten die Iberer dem Pressing der Chilenen aber wenig entgegenzusetzen. Sie verloren mit 0:2 und schieden vorzeitig aus.

Den Grundstein legte Marcelo Bielsa. Der Argentinier trägt, wie passend, den Spitznamen "El Loco", der Verrückte. Er war zwischen 2007 und 2011 Nationaltrainer. Mit einem progressiven Offensivstil belegte Chile in der Südamerika-Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 den zweiten Platz hinter Brasilien. Die erste WM-Teilnahme seit zwanzig Jahren machte Bielsa zum Nationalhelden.

Sampaoli brachte das Kollektiv zurück

Die hohe Intensität im Pressing, rasantes Kurzpassspiel und unorthodoxe Formationen wie ein 3-1-3-3 tragen heute noch die Handschrift Bielsas. Sein Landsmann Jorge Sampaoli übernahm im Jahr 2012 die chilenische Mannschaft, nachdem Claudio Borghi, der ebenfalls Argentinier ist, als Bielsa-Nachfolger glücklos blieb. Unter Borghi gab es zu viele Lücken in der Verteidigung der Chilenen. Nur als Kollektiv können sie aber überleben. Genau diesen Anspruch brachte Sampaoli wieder zurück.