Chelsea feiert Anelka

Der Vogel ist gelandet

Der FC Chelsea ist wieder Spitzenreiter. Neben der herausragenden Defensive ist das vor allem einem Mann zu verdanken, der vor der Saison noch nicht einmal Stammspieler war: Top-Torjäger Nicolas Anelka. Chelsea feiert AnelkaImago Nicolas Anelka scheint endlich angekommen zu sein. Der Wandervogel, der sein Glück bereits bei sieben anderen Klubs versucht hatte und sich nicht immer in Frieden verabschieden konnte, ist Stürmer Nummer eins beim FC Chelsea.

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Das sagt kein Geringerer als Coach Luiz Felipe Scolari. Kein Wunder, die Zahlen sprechen für den 29-Jährigen. Mit 12 Ligatoren ist Anelka der mit großem Abstand beste Torjäger der Liga, des Premier-League-Tabellenführers sowieso. So durfte er kürzlich auch die »Barclays Golden Boot«-Trophäe in die Höhe stemmen, einen todschicken Pokal, den sich der erste Schütze, der zehn bzw. 20, bzw. 30 Saisontreffer vorzuweisen hat, in den Schrank stellen darf. Sein Doppelpack gegen West Brom veranlassten den eifrigen TV-Moderator gar dazu, dem Angreifer den inoffiziellen Titel des »Master of the Art of Destruction« zu verleihen.

Drogba aus dem Tritt

Nachdem Anelka in der Vorsaison zur Winterpause als temporärer Ersatz für die Afrika-Cup-Spieler Didier Drogba und Salomon Kalou geholt wurde und später über den Status eines Ergänzungsspielers nicht hinaus kam, hat der oft unnahbar wirkende Angreifer die Ivorer heute aus der Startelf verdängt. Dem schnellen und technisch überragenden Stürmer ist zu verdanken, dass Chelsea auch in diesem Jahr ganz oben mit dabei ist, obwohl die Treffer von Sturmtank Didier Drogba bislang weitgehend fehlen. Der etatmäßige Sturmchef kam in der laufenden Saison aufgrund der immer wiederkehrenden Verletzungsprobleme und der neuerlichen Sperre noch nicht in Tritt und wird sich nach Ablauf der Sperre in Scolaris 4-5-1-System wohl zunächst mit einem Bankplatz zufrieden geben müssen.

Nicht so Anelka, der gerne als teuerster Spieler aller Zeiten hochstilisiert wird, war er doch für eine Gesamtsumme, die jenseits der 130-Mio.-Euro-Marke liegt, zwischen Paris, London, Madrid, Liverpool, Manchester, Istanbul und Bolton hin- und hergewechselt. Die Gründe für seine Wechselfreudigkeit sind dabei nicht immer eindeutig nachzuvollziehen und vielfältig. Anelka galt Zeit seiner Karriere als schwieriger Charakter, auch wenn er das selbst naturgemäß ganz anders sieht. Der Islamkonvertit sieht sich als Opfer der Presse, die ihm seinen schlechten Ruf eingebrockt habe. »Ich rede einfach nicht gerne, Punkt«, meint der Stürmer. Frechgewordenen französischen Reportern hat der angeblich mundfaule, aber bisweilen »schlagfertige« Anelka in bester Dieter-Schatzschneider-Manier dennoch gerne im Eins gegen Eins gezeigt, wo es langgeht, was sein Ansehen bei der schreibenden Zunft sicher nicht gesteigert hat.

Ob die Journalisten nun schuldig sind, oder nicht – bei verschiedenen Stationen wurde Anelka als Person schlicht nicht akzeptiert. Bei Real Madrid galten die Ikonen Raúl und Fernando Hierro als seine Intimfeinde, die den Neuzugang gemobbt haben sollen. Bei Fenerbahçe war es dann Anelka selbst, der die Atmosphäre belastete, da er nie einen Hehl daraus machte, dass er lieber für einen Top-Klub spielen würde. Aus dem selben Grund verließ der Angreifer wohl auch Manchester City und Bolton. Bei Arsenal verabschiedete er  sich gar, »um den Fans eins auszuwischen«.

Bleibt für die Chelsea-Fans zu hoffen, dass Anelka nicht wieder nach zwei Saisons die Flatter macht (gemeint ist nicht sein Schmetterlings-Torjubel) – bisher hatte er es noch bei keinem Team drei Jahre am Stück oder länger ausgehalten. Im Moment besteht jedenfalls kein Anlass dafür: Anelka verdient gut, trifft, ist wieder fester Bestandteil der Nationalmannschaft, und auch die Fans feiern ihn. Vielleicht wird der Wandervogel tatsächlich sesshaft.

Was die Pläne nach seiner Laufbahn als Aktiver angeht, hat Anelka schon erste Vorstellungen: Er will dem Fußball  treu bleiben, weil er muss: »Ich kann nichts anderes«, attestierte sich der Franzose noch 2006. Ganz so stimmt das nicht, aktuell versucht sich Anelka mit seinem Label »39pro« als Kreativer, und im vielleicht nur wegen der Übersetzung dürftigen Streifen »Le Boulet – Zwei Nieten und sechs Richtige« und im neuen Puma-Werbespot glänzt der Fußballer als Hobbyschauspieler. Als Gefangener einer sektiererischen Gruppe lasziver Frauen mit Hang zu rosa-angezogenen Männern versucht Anelka dort, seinen Trainer davon zu überzeugen, in seinen neuen schwarz-rosa Schuhen auflaufen zu dürfen.

Ein Argument: Seine Exemplare sind nicht ganz so hässlich wie die von Franck Ribéry.